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Aktualisiert: vor 9 Stunden 56 Minuten

Hobbywinzer wird Superintendent

Do., 06/13/2024 - 18:46

Bei der in Bruchsal tagenden Süddeutschen Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) berief Bischof Harald Rückert am heutigen Donnerstag, 13. Juni, einen neuen Superintendenten. Matthias Kapp, zurzeit Pastor im württembergischen Marbach am Neckar, wird sein neues Amt als Superintendent im kommenden Jahr antreten.

Ein Hirte für die Hirten

»Ich bin jetzt seit dreißig Jahren Pastor mit Leib und Seele«, begann Matthias Kapp seine kurze Rede an die Mitglieder der Süddeutschen Jährlichen Konferenz. Pastor bedeute übersetzt »Hirte sein«. »Das kann ich«, so der frisch zum Superintendenten in spe Berufene. Diese Aufgabe sehe er auch in seinem neuen Amt angesagt. Die Kirchenordnung bringe in der Beschreibung des Superintendentenamts diese Aufgabe auch auf den Punkt: »Den pastoralen Mitgliedern und ihren Familien Unterstützung und Fürsorge angedeihen (zu) lassen«. Kapp schlussfolgert daraus: »Der Superintendent ist also ein ›Hirte für die Hirten‹.«

Jungschar, Zivildienst, Pastor – Berufung auf dem Weg

Der 58-jährige Ehemann und Familienvater zweier erwachsener Kinder ist in Tübingen geboren und aufgewachsen. Von Kind an sei er »in die EmK hineingewachsen« und habe aktiv mitgearbeitet. Als Jungscharleiter lernte er, was es heißt, Leitungsaufgaben und Verantwortung wahrzunehmen. In Chören, Posaunenchören und Bläserkreisen entfaltete er seine musikalischen Fähigkeiten.

Sein Weg zum Pastor begann während der Zivildienstzeit. Damals sei ihm der Ruf in den pastoralen Dienst bewusst geworden. Das Kolleg für biblische Sprachen in Stuttgart, ein Praktikumsjahr in der dreißig Kilometer nordöstlich von Stuttgart gelegenen EmK-Gemeinde des Bezirks Backnang und das Theologiestudium in Tübingen und Reutlingen bildeten die Grundlage für den sich dann anschließenden Gemeindedienst. Dieser begann 1994 als Pastor auf Probe in Mössingen, am Fuß der Schwäbischen Alb. Nach der Ordination war er von 1997 an neun Jahre als Pastor in der Zionsgemeinde in der Stuttgarter Weststadt. Von 2006 war er noch einmal, jetzt als leitender Pastor, in Mössingen, bevor er 2017 in die zwanzig Kilometer nördlich von Stuttgart gelegene Schiller-Stadt Marbach am Neckar wechselte. Seither ist er dort leitender Pastor der evangelisch-methodistischen Erlöserkirche.

Leiten durch Lieben

Auf die Frage, was er aus seiner umfangreichen Erfahrung als Gemeindepastor in den neuen Dienst als Superintendent mitnehme, antwortet Kapp ganz spontan: »Wertschätzung!« Die Wertschätzung der Ehrenamtlichen in der Gemeinde sei ihm zunehmend wichtig geworden. »Das hilft den Hauptamtlichen genauso, dass sie gesehen werden und dass sie in ihren Stärken wahrgenommen werden«, ist Kapp von der Übertragbarkeit dieser anerkennenden Grundhaltung in seine neue Aufgabe überzeugt. Dazu gehöre auch, viel Freiraum zu ermöglichen. Es gehe darum, »Menschen ihre Stärken ausleben zu lassen und nicht so viele Vorgaben zu machen«. Auf diese Weise könne etwas in Bewegung kommen.

Dazu passt auch sein Motto »Leiten durch Lieben«. Das habe er bei einer Predigtvorbereitung über das Schlusskapitel des Johannes-Evangeliums entdeckt. Dort fragt Jesus den zuvor gescheiterten Petrus eindringlich und mehrfach »Hast du mich lieb?«. Kapp leitet daraus den von Jesus kommenden Impuls ab, dass Leitung in der Gemeinde nur aus Liebe heraus gelingen könne. »Es geht nicht anders, als dass man aus dieser Liebe heraus agiert und als Hirte tätig ist«, sagt er dazu. Dazu gehörten außerdem Einfühlsamkeit, Aufmerksamkeit, Überzeugen und die Menschen auf einen Weg mitzunehmen. Obwohl das alles sehr harmonisch klinge, sei ihm bewusst, dass die neue Leitungsaufgabe seinerseits auch Klarheit zur Wegweisung brauche. Er werde alles daransetzen, sein Motto »Leiten durch Liebe« in guter Weise mit der Klarheit von Wegweisung zu verbinden und durchzuhalten.

Ein Strahlen, ein Glanz soll wieder sichtbar werden

Deshalb sei Leitung vor allem eine Kommunikationsaufgabe. Bei der Erarbeitung gemeinsamer Ziele habe er gute Erfahrungen mit Gemeindekonferenzen und Vorstandsklausuren gemacht. »Das oft mühsame Geschäft, eine Gemeinde gemeinsam zu organisieren, wird dann leichter, wenn eine Sehnsucht verbindet und Aufbruch und Erneuerung spürbar sind«, beschreibt Kapp gelingende Leitungsarbeit in der Gemeinde.

Den gegenwärtigen Veränderungsprozess der Süddeutschen Jährlichen Konferenz sieht Kapp vom Grundsatz her positiv. In seiner neuen Leitungsfunktion wird er an der Umsetzung federführend mitwirken müssen. Bei allen damit verbundenen Herausforderungen, sagt er spontan: »Vom Kern her bin ich optimistisch!« Es sei grandios wie viele Menschen sich mit all ihrer Kompetenz eingebracht haben. Deshalb sei er sehr optimistisch, dass auf dieser Basis gemeinsamen Planens und Handelns etwas Neues entstehen könne. Er wünscht sich dabei, »dass die Menschen, die jetzt in der EmK sind, diese Kirche herzlich und gut leben, dass wirklich ein Strahlen, ein Glanz sichtbar wird, der unsere Kirche und unsere Gemeinden kennzeichnet«. Dieser Glanz sei an vielen Stellen schon da. »Wenn wir erkennen, was wir für eine Botschaft haben, kann der Glanz Raum gewinnen, und das wird uns guttun«, sagt der Optimist Kapp.

Ein Hobby mit Selbstberatungspotential

Fast nebenbei, als diene es nur der Vollständigkeit, erwähnt Kapp in den ersten Zeilen seines Lebenslaufs sein Hobby als Besitzer eines kleinen Weinbergs in Tübingen. Es könnte sein, dass dieses Hobby für den Superintendenten in seiner neuen Aufgabe wohl selbst zu einem Gleichnis werden kann. In biblischen Geschichten und den Gleichnissen Jesu ist immer wieder von Weinbergen die Rede. Vom Winzer ist regelmäßige Pflege gefordert, Zuwendung und treuer Einsatz. Aber auch von klaren Schnitten und nötigen Eingriffen zur Verbesserung des Ertrags erzählen die biblischen »Fachberichte«. So dürfte das Winzerhobby eine nicht geplante und doch hilfreiche Vor-Ausbildung und im weiteren Dienst eine fortlaufende Begleitung für die Aufgabe als Superintendent sein. Kapps Brüder und Schwestern im Gemeindedienst sollten »ihrem neuen Chef« wünschen, dass er weiterhin Zeit für sein Hobby mit lehrreichem Selbstberatungspotential findet.

 

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Internetauftritt des Bezirks Marbach

Einander die Geschichten mit Gott erzählen

Do., 06/13/2024 - 08:53

Vom 12. bis zum 15. Juni tagt die Süddeutsche Jährliche Konferenz, das Kirchenparlament für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Süddeutschland in Bruchsal. Der Auftakt der unter dem Motto »Wir sehen uns!« stattfindenden Tagung war am gestrigen Mittwoch, 12. Juni, mit einem Gottesdienst in der katholischen Stadtkirche.

Sehen und gesehen werden

»Auf dem Weg des Glaubens sind wir nicht allein«, sagte Stefan Kettner in seiner Predigt in der gut gefüllten römisch-katholischen Stadtkirche im Zentrum von Bruchsal zum Auftakt der Konferenztagung. In Anlehnung an das Konferenzmotto legte der für den Distrikt Heidelberg zuständige Superintendent die Geschichte der Emmausjünger (Lukasevangelium Kapitel 24, Verse 13 bis 39) aus: »Wir sehen uns – und wir werden gesehen«, war Kettners kurze Zusammenfassung der Begegnung zweier Jesusjünger mit dem auferstandenen Jesus, den sie zunächst gar nicht erkannt hatten.

Kettner erzählte dazu eine Begebenheit aus der Corona-Pandemie, einer Zeit, die ihn beruflich stark belastet hatte. Er hatte einen Spaziergang durch einen Weinberg gemacht, um endlich wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Bei seiner Rückkehr habe plötzlich ein Auto neben ihm angehalten. Kettner ging auf das haltende Auto zu und sah den Fahrer fragend an. »Guten Abend«, sagte dieser, erzählt der Prediger weiter, »bitte verzeihen Sie, dass ich Sie anspreche. Aber ich habe gerade den Eindruck, dass ich das tun muss. Ich möchte dir sagen: Jesus liebt dich! Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.« Für einen Moment sei er sprachlos am Straßenrand gestanden, fuhr Kettner fort. »Mein Herz brannte. In dem Mann war mir Christus begegnet – genau so, wie ich es in dem Moment brauchte.«

»So wollen wir Kirche sein!«

Wie die Emmausjünger seien wir als einzelne und als Gemeinden unterwegs auf dem Weg des Glaubens und auf dem Lebensweg, erläuterte Kettner. »Wir begegnen uns auf diesem Weg, und in uns und darüber hinaus begegnet uns dabei Gott.« Im Konjunktiv setzte Kettner die Predigt fort: »Es wäre schön, wenn wir uns von unsren Begegnungen mit Gott erzählen, uns in die Begegnungen selbst mit einbringen und das teilen, was uns beschäftigt.« So werde etwas sichtbar von Gottes Gegenwart und es werde etwas spürbar von Gottes Liebe.

Diese Aussage beließ der Prediger nicht im Konjunktiv. Er forderte die rund fünfhundert Gottesdienstbesucher auf, aus den Bankreihen der Kirche herauszutreten und sich zu zweit »auf den Weg zu machen«. Auf dieser kurzen Wegstrecke sollten sie sich kurz über das austauschen, was sie am Auftakt der Konferenz bewegt oder was für Sorgen, Hoffnungen und Erwartungen sie mit sich herumtragen. »So wollen wir Kirche sein!«, sagte Kettner zum Schluss dieser praktischen Übung. »Wir sind wie die Emmausjünger unterwegs und erzählen uns Geschichten.«

Grüße aus Bruchsal

Im Eröffnungsgottesdienst überbrachten Vertreter der Stadt und der Ökumene ihre Grüße an die Konferenzgemeinde. Domkapitular Heinz Detlef Stäps von der römisch-katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart zeigte sich »fest davon überzeugt, dass die geschwisterliche Ökumene keine Zusatzaufgabe ist, sondern der Weg, um gemeinsam in die Zukunft zu gehen«.

Für die Bruchsaler Arbeitsgemeinschaft Christlicher Gemeinden sprach Achim Schowalter. Der landeskirchliche Pfarrer hob besonders die Praxis in evangelisch-methodistischen Gottesdiensten hervor, in der sogenannten »Zeit der Gemeinschaft« einander Anteil zu  geben und füreinander zu beten. Ihn beeindrucke, wie die Evangelisch-methodistische Kirche Tradition und Offenheit miteinander verbinde.

Cornelia Petzold-Schick, die Bruchsaler Oberbürgermeisterin, verwies auf das Bibelwort »Suchet der Stadt Bestes« (Jeremia Kapitel 29, Vers 7). Sie bat die Konferenzgemeinde darum, die Augen offenzuhalten für die Anliegen der Gesellschaft. »Wir brauchen das soziale Engagement, das von den Kirchen ausgeht.« Dass die Konferenz nach 2009 erneut in Bruchsal tage, wertete sie als gutes Zeichen für die Stadt und das Miteinander der Kirchen.

Harald Rückert, der für Deutschland und damit auch für die Süddeutsche Jährliche Konferenz zuständige Bischof der EmK, erwiderte die Grußworte. Ökumene sei mehr, als sich freundlich anzusehen, nämlich »miteinander zu arbeiten, weil es die Botschaft des Evangeliums wert ist«. Es sei wichtig, als Christen für Menschenwürde, für Schwache und Benachteiligte einzustehen. »Dabei«, so der Bischof weiter, »haben wir nicht nur unsere eigenen Angelegenheiten im Blick, sondern auch was uns umgibt. Wir wollen gemeinsam in dieser Zeit ein Zeugnis sein.«

 

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Selbstvergessen für andere da sein

Di., 06/11/2024 - 05:43

Vom 6. bis 9. Juni tagte die Ostdeutsche Jährliche Konferenz, das Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) für einen großen Teil Ostdeutschlands. Die Tagung in Aue endete mit Gottesdienst und Begegnungstag für die evangelisch-methodistischen Gemeinden im Erzgebirge.

Kraft für jeden Tag – aber nicht auf Vorrat

»Sorgt euch nicht! Atmet auf – lebt im Heute!«, rief Harald Rückert der großen Konferenzgemeinde in seiner Predigt zu. Der für Deutschland zuständige EmK-Bischof erinnerte an Worte Jesu aus dem Matthäusevangelium (Kapitel 6, Verse 25 bis 34), in denen Jesus einlädt, sich von den Sorgen des Alltags nicht entmutigen zu lassen. Rückert schlug eine Brücke zu den heutigen Sorgen und zu den Sorgen, die bei den Menschen und Gemeinden in der Ostdeutschen Konferenz vorhanden sind. »Die Sorge gehört zu unserem Leben dazu, notwendigerweise.« Jeder versuche, sich selbst zu erhalten und abzusichern. Menschen begnügten sich nicht mit dem, was sie haben, sondern wollten mehr. Sie versuchten, die Zukunft zu planen und sie damit in den Griff zu bekommen. Das habe, zugegebenermaßen viel Fortschritt und Entwicklung gebracht.

Gegen Entwicklung, gegen Fürsorge oder Vorsorge sei nichts einzuwenden. Dass sich also die Mitglieder der Jährlichen Konferenz Gedanken darüber machten, wie die künftige Gestalt der Kirche aussehen solle, sei genau ihre Aufgabe. »Sorgt nicht!« sei daher kein Wort gegen Fürsorge und Vorsorge, sondern vielmehr eine Aussage darüber, in welcher Art und Weise Menschen ihre Zukunft zu bewältigen suchen.

Der Auslöser für Sorgen jeder Art sei, dass der Mensch heute schon sein Morgen fest im Griff haben wolle. So beschäftigten sich die Menschen mit den Sorgen von morgen. Das nehme ihnen den Atem. Denn, so der Bischof, »die Sorgen von heute und morgen zusammen sind nicht zu tragen«. Deshalb sei es wichtig, im Heute zu leben, wie es Jesus betone. »Nehmt heute die Kraft in Anspruch, die ihr für heute braucht, und ihr werdet sie bekommen; nicht auf Vorrat für morgen und übermorgen, aber für heute.« So könne heute bewältigt werden, was heute nötig sei, und morgen könne getan werden, was morgen dran sei, so Rückert. Deshalb forderte er die Konferenzgemeinde dazu auf, sich locken zu lassen, »das Evangelium in seiner wunderschönen Fülle und seiner unwiderstehlich einladenden Kraft verschwenderisch mit eurer Umgebung zu teilen«. Dazu gehöre »Mut, selbstvergessen für andere da zu sein«. Wer so denke und handle, komme nicht zu kurz. »Ihr habt einen großzügigen himmlischen Vater, der für euch sorgt; überlasst euch ganz ihm.«

Kooperationsräume zur Bewältigung finanzieller und personeller Engpässe

Bei der Konferenztagung in Aue fassten die Mitglieder der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz weitreichende Beschlüsse. Einer wurde bei der Verlesung der Dienstzuweisungen durch den Bischof deutlich. Einige der Bezirke sind jetzt in sogenannten »Kooperationsräumen« zusammengefasst. Auf diese Weise solle die Kirche vor Ort trotz geringerer finanzieller und personeller Möglichkeiten besser erlebbar werden. Mittels durchlässigerer Bezirksgrenzen könne so die gemeinsame Arbeit gestärkt werden. So würden Bezirke und Gemeinden nicht mehr nur nebeneinander existieren, sondern besser kooperieren. Diese strukturelle Veränderung brachten die Konferenzmitglieder auf Anregung der beiden Superintendenten Werner Philipp und Mitja Fritsch auf den Weg.

Gespräche mit der Bethanien Diakonissen-Stiftung über Zukunft von »Schwarzenshof«

Sehr intensiv hatten die Konferenzmitglieder die Zukunft der Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof diskutiert. Mit großer Mehrheit fiel der Beschluss, Verhandlungen mit der Bethanien-Diakonissen-Stiftung zu führen, um möglichst das gesamte Anwesen zum 1. Januar kommenden Jahres an die Stiftung zu übergeben. Dem schmerzlichen Beschluss war ein zwei Jahre währender Prozess über die Zukunft der Schwarzenshofer Einrichtung vorausgegangen. Die gründliche Untersuchung des Geschäftsbetriebs sowie die Schätzung des Immobilienwerts führte zu der schmerzlichen Erkenntnis, dass »Schwarzenshof« nicht dauerhaft mit Subventionen aus Mitteln der Konferenz weiterbetrieben werden kann. Bemühungen, einen Käufer auf dem freien Markt zu finden, waren ebenfalls erfolglos geblieben, sodass eine Übernahme durch die Bethanien-Diakonissen-Stiftung als naheliegendste Lösung in Betracht kam.

Mit der in Frankfurt am Main ansässigen Stiftung gibt es bereits an verschiedenen Orten im Gebiet der Ostdeutschen Konferenz durchgeführte Projekte. So übernahm die Stiftung die vormalige Begegnungsstätte im erzgebirgischen Scheibenberg und entwickelte dort den Bethanien-Campus mit Senioren-Residenz und Wohngemeinschaften für insgesamt bis zu acht Mütter, der Ende dieses Jahres seiner Bestimmung übergeben wird. In Rudolstadt, ganz in der Nähe von Schwarzenshof, gibt es schon seit vier Jahren mit der Seniorenwohnanlage Bethanien-Residenz im Rudolspark eine methodistische Altenheimarbeit mit dreißig barrierefreien Wohnungen. So verbinden die Mitglieder der Konferenz mit einer Übergabe von Schwarzenshof an die Stiftung die Hoffnung, dass Schwarzenshof in methodistischer Hand bleibt und das Projekt »Kirche in anderer Gestalt« in diakonischer Trägerschaft weitergeführt werden kann.

Kirchlicher Haushalt und der »biblische Zehnte«

Wie in Zeiten knapper werdender Kassen der kirchliche Haushalt für die kommenden Jahre ausgeglichen gestaltet werden könne, war ebenfalls Thema der Plenumssitzungen während der Konferenztagung. Ausführlich ging es dabei um das biblische Prinzip des »Zehnten«. Die Konferenzmitglieder beschlossen, »sich das biblische Prinzip des ›Zehnten‹« zu eigen zu machen und »nach diesem biblischen Prinzip zu leben und mit Gott zu ›rechnen‹«. Um dieses Thema in der Konferenz und für die Gemeinden voranzubringen, werden Gremien Inhalte und Vorlagen erarbeiten.

Die Beratungen über die finanzielle Situation der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz zeigten deutlich, dass die Finanzen in den kommenden Jahren weiterhin ein zentrales Thema sein werden. Dazu beschlossen die Konferenzmitglieder nahezu einstimmig, dass »eine klare Perspektive, wie wir als Kirche mit knappen Ressourcen arbeiten wollen« zu entwickeln ist. Dazu müssten Finanzen, Immobilien, Struktur und Personal umfassend in den Blick genommen werden. Das Thema dürfe dabei allerdings nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Es sei auch eine theologische Auseinandersetzung nötig. Die beiden Superintendenten der Konferenz wurden beauftragt, diesen Prozess zu starten. Bei der Konferenztagung im nächsten Jahr sollen Ergebnisse vorgelegt werden, wie der Prozess gestaltet werden kann.

Abschottung hat auf Dauer keinen Bestand

Mit großer Mehrheit wurde ein Wort an die Gemeinden anlässlich der anstehenden Wahlen im September für die Landtage von Brandenburg, Sachsen und Thüringen verabschiedet. »Angesichts der großen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen ist es unverzichtbar miteinander im Gespräch zu sein«, heißt es darin mit Verweis auf das Jesuswort, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein (Matthäusevangelium Kapitel 5, Verse 13-16). Im Blick auf Skepsis und Kritik am demokratischen System betont das Wort an die Gemeinden: »Hass gegenüber Menschen, Erniedrigung und persönliche Demontage von Verantwortungsträgern sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar.« Angesichts vieler Herausforderungen sei Abgrenzung keine Lösung. »Aus der DDR-Geschichte wissen wir, dass Abschottung, ob nach innen oder außen, auf Dauer keinen Bestand hat. Dass Mauern fallen, ist eine heilsgeschichtliche Erfahrung.«

Mit großer Sorge ist vom »Wiedererstarken längst überwunden geglaubter rassistischer Gedanken und Handlungsmuster in neuen Ausführungen« die Rede. Dabei sehr erschreckend, »dass frühere politische Denkmuster des Nationalsozialismus oder des DDR-Regimes immer mehr Verbreitung finden«. Im Mittelpunkt von Wahlentscheidungen müsse »die unantastbare Würde des Menschen« stehen. »Sie ist nicht nur nach unserem Grundgesetz oberste Richtschnur staatlichen Handelns, sondern auch Ausdruck des christlichen Glaubens, der den Menschen als Ebenbild Gottes versteht.« Deshalb, so heißt es weiter, »sind für uns Christen die AfD und weitere rechtsnationale Parteien nicht wählbar«, weil sie mit ihren Haltungen die Menschenwürde angriffen und »deshalb mit dem christlichen Glauben unvereinbar« seien.

Gleichzeitig lädt »das Wort« zum »ehrliche(n) Gespräch miteinander« ein. Kritik an der Regierung oder der Opposition würden dazugehören. Es brauche aber auch »Demut und Geduld angesichts der komplizierten Herausforderungen unserer Zeit«. Nicht zuletzt gehöre dazu das Gebet, »auf dass wir in Frieden leben können – und unsere Mitmenschen auch«.

 

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Change-Prozess und Finanzen im Fokus

Mo., 06/10/2024 - 13:55

Die Süddeutsche Jährliche Konferenz, das Kirchenparlament für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Süddeutschland, tagt vom 12. bis zum 15. Juni in Bruchsal. Der Konferenzgemeindetag zum Abschluss findet am Sonntag, 16. Juni, in Heilbronn statt. Die Tagung steht unter dem Motto »Wir sehen uns!«

»Change-Prozess« und Finanzen

»Begegnung soll im Zentrum unserer gesamten Arbeit stehen«, erklärt Stefan Kettner die Wahl dieses Mottos. Es gehe um die Begegnung mit Gott, mit den Mitmenschen und mit sich selbst. Im Thema »Wir sehen uns« spiegele sich das wider, so der für den Distrikt Heidelberg zuständige Superintendent: »Wir sehen uns in der Gegenwart Gottes. Wir werden gesehen, wir sehen einander und begegnen uns – und in Gott und im anderen begegne ich auch mir selbst.«

Auf der Tagungsordnung steht vor allem der sogenannte »Change-Prozess«, der für die Süddeutsche Konferenz flächendeckend große Veränderungen mit sich bringt. Jetzt geht es darum, die im vergangenen Jahr gefassten Beschlüsse zu überprüfen und umzusetzen. Die »Landkarte der zukünftigen größeren Bezirkseinheiten« soll auf der Tagung präsentiert und beschlossen werden. Damit verbindet sich auch ein Antrag, künftig nur noch in zwei Distrikten zu arbeiten, anstelle der bisherigen vier. Im Gespräch sind ein Ost und ein West-Distrikt, erklärt Kettner.

Des Weiteren wird sich die Konferenz mit der finanziellen Situation befassen. Im zurückliegenden Jahr gab es ein Defizit von etwa 800 000 Euro im Haushalt. Kettner geht davon aus, dass auch in diesem Jahr mit einem ähnlichen Betrag zu rechnen ist. Um dem entgegenzuwirken, stellen die Finanzgremien den Antrag, in Zukunft mit verbindlichen Budgets zu arbeiten. Die Konferenzmitglieder stehen vor der großen Aufgabe, die Arbeit der EmK in Süddeutschland strukturell und finanziell neu zu ordnen.

Darüber hinaus geht es um die Berichte der Fachgruppe Gemeindegründung. Im Bereich der Süddeutschen Konferenz gibt es etliche solcher Projekte, in denen neue Formen von Gemeinden begleitet und neu angestoßen werden. Aus finanzieller Sicht steht die Frage im Raum, wie viele solcher Projekte sich die EmK in Süddeutschland noch leisten kann, gibt Kettner zu bedenken. Eine Diskussion werde auch rund um das Thema »Zentrale Dienste« erwartet. Dabei geht es um die Frage, ob die Arbeit der verschiedenen Werke unter diesem Begriff zusammengeführt werden soll.

Erlebnisreicher Konferenzsonntag in Heilbronn

Am Sonntag, 16. Juni, findet zum Abschluss der Tagung der Konferenzgemeindetag in Heilbronn statt. In einem Veranstaltungscenter am Rande der Stadt wird ein erlebnisreiches Programm für alle Altersgruppen angeboten. Im Gottesdienst am Vormittag werden von Bischof Harald Rückert Pastoren und Pastorinnen sowie erstmalig auch Diakone ordiniert und ein Missionarsehepaar ausgesandt. Dieser Gottesdienst wird via Internet live übertragen und vor Ort in verschiedene Fremdsprachen übersetzt, beispielsweise in Englisch, Farsi und Vietnamesisch. Parallel dazu gibt es Angebote für Kinder und Jugendliche.

Eine »Erlebnis-Mittagspause« bietet viele Möglichkeiten zur Verpflegung, zu Begegnung und zum Besuch der ausstellenden Werke und Arbeitsbereiche. Das Nachmittagsprogramm bietet für Erwachsene die Beschäftigung mit der Frage wie »die Kirche« ihre Hemmschwellen überwindet und Menschen begegnet, ohne aufdringlich zu sein. Für Kinder und deren Eltern gibt es einen »Domino-Day für alle Generationen«. Es wird ein »großer Showdown« versprochen, bei dem alle Steine fallen sollen.

 

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Dienstzuweisungen OJK 2024

So., 06/09/2024 - 15:30

(x) Zahlen in Klammern = Anzahl der Dienstzuweisungsjahre
* unter Aufsicht des zuständigen Superintendenten

Distrikt Dresden

Superintendent Mitja Fritsch (2)

  • Annaberg-Buchholz: Marcel Tappert (2)
  • Aue: Sven Tiesler (5), Petra Iffland (5, Gemeindereferentin)
  • Bockau/Albernau: zu besetzen, Heidrun Hertig (6)
  • Chemnitz-Friedenskirche: zu besetzen, Aufsicht: Gerhard Förster
  • Crottendorf: Bernt Förster (7), Dorothea Föllner (2, Lokalpastorin)
  • Dittersdorf-Geyer: Tobias Buschbeck (8, Lokalpastor*), Michael Wetzel (4, Laienprediger mit Dienstzuweisung*)
  • Dresden-Emmauskirche: Thomas Härtel (6)
  • Dresden-Ost: Marie-Theres Ringeis (4)
  • Dresden-Immanuelkirche: Philipp Weismann (12, Lokalpastor*)
  • Eibenstock: Heidrun Hertig (8)
  • Grünhain: Stefan Gerisch (6)
  • Königswalde: Claudia Küchler (9, Lokalpastorin*), Sandra Mauersberger (4, Gemeindepädagogin*)
  • Lauter: Andreas Hertig (6)
  • Lößnitz: Michael Kropff (3), David Melle (2, Gemeindepädagoge)
  • Mittelsachsen: Christine Meyer-Seifert (5), Christiane Mehlhorn (3, Pastorin auf Probe)
  • Oberlausitz: Olf Tunger (4), Christiane Mehlhorn (6, Pastorin auf Probe)
  • Raschau: Ute Möller (7, Lokalpastorin*)
  • Schönheide/Stützengrün: Gerhard Künzel (3, Lokalpastor*)
  • Schwarzenberg: Friedbert Fröhlich (3), Dorothea Föllner (2, Lokalpastorin)
  • Sehmatal: Sebastian Mann (7), Diana Wolf (6, Pastorin auf Probe)
  • Zschopau-Marienberg: Jörg Herrmann (5)
  • Zwönitztal: Michael Kropff (3), Pedro Freundel (6, Lokalpastor)

Einen Kooperationsraum bilden die Bezirke

  • Schneeberg: Katrin Schneidenbach (1)
  • Zschorlau: Lutz Rochlitzer (1, Lokalpastor)
Distrikt Zwickau

Superintendent Werner Philipp (6)

  • Auerbach: York Schön (2)
  • Ellefeld: zu besetzen, Aufsicht: Friedemann Trommer, Viola Renger (3, Gemeindepädagogin)
  • Erfurt: Franziska Demmler (9)
  • Falkenstein: zu besetzen, Aufsicht: Friedemann Trommer, Viola Renger (3, Gemeindepädagogin)
  • Halle/Dessau: Kathryn Harris Weishaupt (6)
  • Jena: Christin Eibisch (2), Matthias Zieboll (2)
  • Plauen: zu besetzen, Aufsicht: Hendrik Walz
  • Rodewisch: York Schön (2)
  • Thüringen Südost: Matthias Zieboll (6), Holger Belke (2, Lokalpastor)
  • Thüringer Vogtland: Hendrik Walz (6)
  • Zeitz/Gera: Jörg Recknagel (9)

Kooperationsräume bilden die Bezirke

  • Leipzig-Bethesdakirche: Thomas Roscher (1)
  • Leipzig- Kreuzkirche: Katrin Roscher (1, Lokalpastorin*)
  • Kirchberg/Wilkau Haßlau: Stephanie Hallmann (1)
  • Zwickau-Planitz: Carsten Hallmann (1, Lokalpastor*)
  • Netzschkau: Norbert Lötzsch (1)
  • Reichenbach. Treuen: Mandy Merkel (1, Gemeindepädagogin)
  • Reinsdorf,Mülsen,Crossen: Christian Posdzich (1)
  • Werdau: Kathrin Posdzich (1)
  • Zwickau-Friedenskirche: Mariana Otto (1, Gemeindepädagogin), Viola Renger (1, Gemeindepädagogin)
In besonderen Diensten

Im Bereich der Jährlichen Konferenz, Zentralkonferenz und deren Einrichtungen

  • Schwarzenshof – Kirche in anderer Gestalt: Christin Eibisch (2)
  • Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau: Seelsorgerin Kathryn Harris Weishaupt (6)
  • Diakonisches Altenhilfezentrum Rudolstadt: Seelsorger Matthias Zieboll (6)
  • Come back e.V. Zittau: Pastor Olf Tunger (4)
  • Beauftragter des Bischofs - Begleitung ZK-Prozess: Christhard Rüdiger (2)
  • Pastor im Interimsdienst: Christhard Rüdiger (2)
  • Senderbeauftragter der Evangelischen Freikirchen beim MDR: Stephan Ringeis (6)
  • Beauftragter für Öffentlichkeits- und Rundfunkarbeit: Stephan Ringeis (6)
  • INSPIRE Chemnitz in Kooperation mit der Methodist Church in Britain: Barry Sloan (2)
Pastorinnen und Pastoren im Ruhestand

Lutz Brückner, Friedmar Dietrich, Kerstin Dietrich, Gottfried Fischer, Gerhard Förster, Thomas Fritzsch, Christoph Georgi, Andreas Günther, Thomas Günther, Helmut Halfter, Ludwig Herrmann, Harald Hunger, Birgit Klement, Johannes König, Reiner Kohlhammer, Klaus Leibe, Stefan Lenk, Horst Martin, Christoph Martin, Christian Meischner, Reinhard Melzer, Matthias Meyer, Klaus Morgenroth, Jörg-Eckbert Neels, Andrea Petzold, Siegfried Rex, Sebastian Ringeis, Thomas Röder, Wolfgang Ruhnow, Volker Schädlich, Diethelm Schimpf, Joachim Schmiedel, Gotthard Schreier, Karl-Friedrich Siebert, Horst Sterzel, Dieter Straka, Klaus Straka, Friedemann Trommer, Herbert Uhlmann, Uta Uhlmann, Gerhard Weigelt, Dr. sc. Karl Zehrer

Bewerber und Bewerberinnen für das Predigtamt - Studierende

Studierende an der Theologischen Hochschule Reutlingen

  • Felix Süß
  • Marcel Franke
Hauptamtliche Beauftragungen in der Jährlichen Konferenz
  • Referent im Kinder- und Jugendwerk, Elternzeitvertretung: Jonas Will (1)
  • Gemeindepädagogische Arbeit im Kinder- und Jugendwerk, Gemeindepädagoge: David Melle (9)
  • Gemeindepädagogische Arbeit im Kinder- und Jugendwerk, Gemeindepädagogin: Mariana Otto (2)
  • Gemeindepädagogische Arbeit im Kinder- und Jugendwerk, Gemeindepädagogin: Katharina Schmiedel (1)
Nebenamtliche Beauftragungen in der Jährlichen Konferenz
  • Konferenzbeauftragte für kirchlichen Unterricht: Katrin Roscher (14)
  • Beauftragt mit der Leitung des Kinderchores der EmK: Katrin Roscher (5)
  • Gemeindepädagogische Arbeit in Dresden: Philipp Weismann (12)
  • Gemeindepädagogische Arbeit im Kinder- und Jugendwerk: Philipp Weismann (10)
  • Gemeindepädagogische Arbeit im Kinder- und Jugendwerk: Mandy Merkel (9)
  • Beauftragt mit der Leitung des Kinderchores der EmK: Lutz Brückner (30)
  • Konferenzbeauftragter für Junge Erwachsene: Michael Beier (5)
  • Konferenzbeauftragter für Erwachsenenbildung: Thomas Roscher (18)
  • Konferenzbeauftragte für die Arbeit mit Älteren Generationen: Andrea Petzold (2)
  • Konferenzbeauftragter für Evangelisation: Andreas Hertig (20)
  • Regionalleiter Gemeinschaftsbund: Andreas Hertig (4)
  • Konferenzsekretärin für Mission und internationale kirchliche Zusammenarbeit: Diana Wolff (1)
  • Konferenzbeauftragter für Kirchenmusik: Jörg Herrmann (16)
  • Suchtbeauftragter: Torsten-Michael Ufer (10)
Nebenamtliche Beauftragungen im Bereich der Zentralkonferenz
  • Kirchenmusik und Gesangbuch: Jörg Herrmann (20)
  • Beauftragter für Gottesdienst und Agende: Thomas Roscher (8)

 

Finanzen, Gewalt, Leitung – wichtige Beratungsthemen

Sa., 06/08/2024 - 08:16

Der zweite Tag der vom 6. bis 9. Juni im sächsischen Aue tagenden Ostdeutschen Jährlichen Konferenz war ausschließlich Konferenzsitzungen vorbehalten. Schwerpunkte waren die Themen Finanzen, Leitung und Gewaltprävention.

Umgang mit Missbrauch und Gewalt als »wichtiges Thema« in der Kirche

Am Freitagvormittag beschäftigten sich die Konferenzmitglieder ausführlich mit dem Thema Gewaltprävention. Mariana Otto, Gemeindepädagogin in Leipzig, Jonas Will, Gemeindepädagoge im Kinder- und Jugendwerk Ost, und David Melle, Gemeindepädagoge in Lößnitz, stellten das Thema vor. Ziel war eine umfassende Sensibilisierung für Missbrauch im kirchlichen Umfeld und verschiedene Formen von Gewalt im Umgang mit anvertrauten Menschen in der Gemeindearbeit. Außerdem wurden Wege aufgezeigt, in welcher Weise Beratung und Unterstützung in Anspruch genommen werden kann oder wie Verdachtsfälle gemeldet werden können.

Im Zusammenhang mit der Information baten die drei im Namen des Kinder- und Jugendwerks der Ostdeutschen Konferenz »um Entschuldigung, für das, was vormals passiert ist und wo es nur unzureichende Aufarbeitung gab« und sicherten zu, »unseren Teil dazu beitragen, Geschehenes aufzuarbeiten und entsprechende Präventionsarbeit zu leisten«.

Leitung und Leiterschaft als Instrument kirchlicher Mission

Die bei der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz 2021 eingesetzte Arbeitsgruppe stellte während der Vormittagssitzung ihre Ergebnisse zu »Leitung und Leiterschaft« vor. Weil Leitung und Leiterschaft »als ein Instrument der Mission der Kirche« gilt, war der Arbeitsauftrag erfolgt. Ein wiederkehrendes Spannungsfeld, so eines der Ergebnisse, sei das Gegenüber von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen. Im Verhältnis und im Miteinander dieser beiden Gruppen liege »der Schlüssel für den gemeinsamen Weg«. Besondere Bedeutung komme dabei der Kommunikation zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen in der Gemeinde und der Kirche zu.

Pastorin Kathrin Posdzich und Steffen Landrock wiesen bei der Information über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe darauf hin, dass sich das Bild der Pastorinnen und Pastoren sowie weiterer hauptamtlicher Mitarbeiter im Gemeindedienst gewandelt habe. Das gelte auch für die Mitwirkung Ehrenamtlicher. Deshalb müssten die verschiedenen Herausforderungen im Leben der Gemeinden identifiziert werden. So könnten Potentiale entdeckt werden und Unterstützungsbedarf identifiziert werden. Nur so könnten die wichtigen Kompetenzen hinsichtlich Leitung und Leiterschaft entwickelt werden.

Die Vorstellung der Ergebnisse förderte auch widersprüchliche Entdeckungen zutage. So gebe es die Situation, dass Menschen Verantwortung abgeben wollten, während gleichzeitig Menschen gesucht würden, die Verantwortung übernehmen sollen. Zu lösen seien solche Widersprüche beispielsweise durch die zeitliche Begrenzung der Mitarbeit in verantwortlichen Funktionen. Damit könne Überlastung vermieden werden, während es durch neue Personen in der Mitverantwortung leichter sei, flexibel und kreativ neue Prozesse in Gang zu setzen. Das Thema wird die Konferenz bei den anstehenden Veränderungen in der kirchlichen Arbeit noch weiter beschäftigen.

Kirchlicher Haushalt und der »biblische Zehnte«

Die Beschäftigung mit den Konferenzfinanzen basierte auf differenzierten Ausführungen durch den Konferenzschatzmeister Jörg Ringeis. Die Leitfrage war, wie in Zeiten knapper werdender Kassen der kirchliche Haushalt in den kommenden Jahren ausgeglichen gestaltet werden könne. In einer ausführlichen Diskussion wurde das biblische Prinzip des »Zehnten« beraten. Die Konferenzmitglieder beschlossen, »sich das biblische Prinzip des ›Zehnten‹« zu eigen zu machen und »nach diesem biblischen Prinzip zu leben und mit Gott zu ›rechnen‹«. Um dieses Thema in der Konferenz und für die Gemeinden voranzubringen, werden Gremien Inhalte und Vorlagen erarbeiten.

Die Beratungen über die finanzielle Situation der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz zeigten deutlich, dass die Finanzen in den kommenden Jahren weiterhin ein zentrales Thema sein werden. Dazu beschlossen die Konferenzmitglieder nahezu einstimmig, dass »eine klare Perspektive, wie wir als Kirche mit knappen Ressourcen arbeiten wollen« zu entwickeln ist. Dazu müssten Finanzen, Immobilien, Struktur und Personal umfassend in den Blick genommen werden. Das Thema dürfe dabei allerdings nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Es sei auch eine theologische Auseinandersetzung nötig. Die beiden Superintendenten der Konferenz wurden beauftragt, diesen Prozess zu starten. Bei der Konferenztagung im nächsten Jahr sollen Ergebnisse vorgelegt werden, wie der Prozess gestaltet werden kann.

 

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Internetauftritt der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz

Gottes Nähe aufsaugen

Fr., 06/07/2024 - 06:50

Vom 6. bis 9. Juni tagt die Ostdeutsche Jährliche Konferenz, das Kirchenparlament für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) im Osten Deutschlands. Der Tagungsort ist der Erzgebirgsort Aue in Sachsen.

Gottes Nähe bewirkt keine Allergie, sondern erfüllt mit neuer Kraft

Es war noch nicht viel passiert, da passierte im Eröffnungsgottesdienst der Konferenz schon das erste Malheur. Nach dem Orgelvorspiel kam Unruhe auf, weil niemand zu sehen war. Eigentlich wussten alle, was jetzt hätte zügig folgen müssen: eine nette Begrüßung. Stattdessen kamen endlich zwei Personen angerannt: Petra Iffland, Gemeindereferentin in Aue, und David Melle, Gemeindepädagoge im etwas nördlich von Aue gelegenen Lößnitz, eröffneten ganz außer Puste den Gottesdienst. Um die Zeit aufzuholen, wurde die Gemeinde durch das Lied »Kommt atmet auf, ihr sollt leben« geradezu gejagt, bis es zum Abbruch kam. Erst jetzt kam der Gottesdienst zur Ruhe. Es gehe nicht an, schneller zu singen, um mehr Zeit für Sitzungen zu haben, betonte Michael Kropff, der im gut zehn Kilometer nordöstlich von Aue gelegenen Zwönitz als Pastor den dortigen Gemeindebezirk leitet. Innerhalb weniger Minuten erlebte die Konferenzgemeinde auf diese Weise, was es mit dem Konferenzthema »Aufatmen« auf sich haben könnte.

Harald Rückert, der für Deutschland und damit auch für die Ostdeutsche Jährliche Konferenz zuständige Bischof der EmK, nahm diesen Auftakt in seinem Impuls auf und verband ihn mit seiner jahreszeitlichen gesundheitlichen Einschränkung: Der ihn plagende Heuschnupfen verhindere bei ihm ein entspanntes Aufatmen. Atemlosigkeit sei aber vor allem ein allgemeines Merkmal »unserer Zeit«, aber auch »unserer Kirche«. Vieles, was »eingeatmet« werde, würde nicht zur Ruhe kommen lassen. Das im Konferenzmotto betonte Aufatmen beginne deshalb, so Rückert, mit Ausatmen. Beim dann folgenden Einatmen komme es darauf an, »was wir einatmen«. Rückert vermerkte, »dass wir zu oft Misstrauen, Angst und negative Gefühle einatmen«. Deshalb solle die Konferenztagung eine Zeit sein, »in der wir nicht atemlos durch das Programm jagen, sondern Zeit haben, innezuhalten, um Frische und Leben einzuatmen«. Dazu gehöre es, »sich Zeit zu nehmen, um auf verschiedene Sichtweisen zu achten, Zeit zum Warten, zum Beten, zum Aushalten von Dingen, die wir nicht im Griff haben«. Der Mensch sei atemlos, weil er verlernt habe, auf Gottes Nähe zu achten. Diese Achtsamkeit auf Gott wünschte der Bischof den Konferenzmitgliedern für die Zeit der Tagung. Denn, so Rückert: »Gottes Nähe aufzusaugen, führt zu keiner Allergie, sondern erfüllt mit neuer Kraft.«

Zielbeschreibung für einen Weg in die Zukunft

Mit dem Bericht der beiden Superintendenten startete die Konferenz in ihre erste Plenumssitzung. Mitja Fritsch, Superintendent für den Distrikt Dresden, und der für den Distrikt Zwickau zuständige Superintendent Werner Philipp wagten mit ihrem Bericht sowohl eine Analyse der derzeitigen Situation als auch eine Zielbeschreibung für den Weg in die Zukunft für die Ostdeutsche Konferenz. Statt als Bezirke und Gemeinden nur nebeneinander zu existieren, beschreiben die beiden Superintendenten eine Bewegung hin zu mehr Kooperation. Damit könnten sich die Gemeinden und Bezirke zu einer nicht nur lokalen, sondern regionalen Identität entwickeln.

In Gesprächsrunden an Tischen tauschten sich die Konferenzmitglieder darüber aus, wie der Gedanke einer »Beteiligungskirche« in den Gemeinden umgesetzt und gelebt werden könne. Außerdem ging es um die Frage, wie die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und Bezirken in den jeweiligen Regionen gefördert werden könne, und welche konkreten Schritte unternommen werden könnten, um die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen bis hin zu ökumenischen Beziehungen und gesellschaftlichen Partnerschaften zu verbessern. Mitja Fritsch bekräftigte diese Aussprache mit einem »Doppelpunkt«: »Es geht weiter! Der Weg hin zu einer veränderten Struktur erfordert Gespräch und Miteinander.«

Konferenz verabschiedet Wort an die Gemeinden

Nach kurzer Aussprache verabschiedete die Konferenz mit großer Mehrheit ein Wort an die Gemeinden anlässlich der anstehenden Wahlen im September für die Landtage von Brandenburg, Sachsen und Thüringen. »Angesichts der großen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen ist es unverzichtbar miteinander im Gespräch zu sein«, heißt es darin mit Verweis auf das Jesuswort Salz der Erde und Licht der Welt zu sein (Matthäusevangelium Kapitel 5, Verse 13-16). Im Blick auf Skepsis und Kritik am demokratischen System betont das Wort an die Gemeinden: »Hass gegenüber Menschen, Erniedrigung und persönliche Demontage von Verantwortungsträgern sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar.« Angesichts vieler Herausforderungen sei Abgrenzung keine Lösung. »Aus der DDR-Geschichte wissen wir, dass Abschottung, ob nach innen oder außen, auf Dauer keinen Bestand hat. Dass Mauern fallen, ist eine heilsgeschichtliche Erfahrung.«

Mit großer Sorge ist vom »Wiedererstarken längst überwunden geglaubter rassistischer Gedanken und Handlungsmuster in neuen Ausführungen« die Rede. Dabei sehr erschreckend, »dass frühere politische Denkmuster des Nationalsozialismus oder des DDR-Regimes immer mehr Verbreitung finden«. Im Mittelpunkt von Wahlentscheidungen müsse »die unantastbare Würde des Menschen« stehen. »Sie ist nicht nur nach unserem Grundgesetz oberste Richtschnur staatlichen Handelns, sondern auch Ausdruck des christlichen Glaubens, der den Menschen als Ebenbild Gottes versteht.« Deshalb, so heißt es weiter, »sind für uns Christen die AfD und weitere rechtsnationale Parteien nicht wählbar«, weil sie mit ihren Haltungen die Menschenwürde angriffen und »deshalb mit dem christlichen Glauben unvereinbar« seien.

Gleichzeitig lädt »das Wort« zum »ehrliche(n) Gespräch miteinander« ein. Kritik an der Regierung oder der Opposition würden dazugehören. Es brauche aber auch »Demut und Geduld angesichts der komplizierten Herausforderungen unserer Zeit«. Nicht zuletzt gehöre dazu das Gebet, »auf dass wir in Frieden leben können – und unsere Mitmenschen auch«.

 

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Auf Gottes Lebenskraft besinnen

Mi., 05/29/2024 - 06:09

Die Ostdeutsche Jährliche Konferenz, das für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Ostdeutschland zuständige Kirchenparlament, tagt in der kommenden Woche vom 6. bis 9. Juni in Aue/Erzgebirge. Mit dem Motto »Aufatmen« will die Tagung ermöglichen, sich angesichts der Herausforderungen der Zeit nicht zu schnell den Blick für das Wesentliche verstellen zu lassen.

Einen gesunden Lebensrhythmus finden

»Es ist Zeit, dass wir uns auf Gott besinnen, auf seine Lebenskraft, die in uns wirkt«, formuliert Stephanie Hallmann. Die für Bockau zuständige Pastorin gehört zur gastgebenden Region Aue, die für die Organisation der Konferenztagung zuständig ist. »Gelegentlich ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass es einen gesunden oder zumindest gesünderen Lebensrhythmus gibt und geben kann, als den aktuellen oder gegenwärtig gelebten«, unterstreicht der für den Distrikt Dresden zuständige Superintendent Mitja Fritsch. Zu einem solchen Rhythmus gehöre als Mitte »das Aufatmen in der Gegenwart Gottes«. Die letzten Jahre und die darin eingewebten Entwicklungen und Themen seien kräftezehrend gewesen. Das gelte nicht nur gesellschaftlich, sondern auch für das kirchliche Leben. Das Konferenzprogramm ist deshalb so gestaltet, dass die Debatten von den geistlichen Impulsen getragen werden.

Konferenz organisiert sich neu

»Es gibt viel zu besprechen, zu beraten und zu entscheiden«, beschreibt Fritsch die bevorstehenden Geschäftssitzungen der Konferenz. Als Vorsitzender des Konferenzverwaltungsrats ist er auch für die Abläufe der Tagung verantwortlich. Die anstehende Neukonstituierung der Jährlichen Konferenz geschehe auf der Basis von Entscheidungen für schlankere Strukturen. Nun gelte es diese mit Leben zu füllen. Dabei müsse im Blick bleiben, dass die Kirche auch in Ostdeutschland kleiner geworden ist. »Es gilt, ein achtsames Miteinander zu befördern, das auch den Blick über den Tellerrand hinaus ermöglicht.«

Große »Brocken« auf der Tagesordnung

Ganz oben auf der Tagesordnung steht die Frage nach einem sinnvollen Einsatz aller Pastorinnen, Pastoren und weiterer hauptamtlicher Mitarbeiter. Die Dienstgemeinschaft ist zahlenmäßig kleiner geworden. Deshalb seien sinnvolle Lösungen vor Ort in den Gemeinden zu entwickeln. In diesem Zusammenhang seien eine mittelfristige Finanzplanung und Wege zu einem ausgeglichenen Haushalt zu diskutieren und zu beschließen. Außerdem stehen das Thema »Gewaltprävention in der Kirche« sowie ein vorbereitetes Wort an die Gemeinden zu den Landtagswahlen im September auf der Tagesordnung.

Die Arbeitsgruppe »Leitung und Leiterschaft« legt konkrete Ergebnisse zur Aufgabe der geistlichen Leitung von Gemeinden und Bezirken durch hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter vor. Darüber hinaus wird das Ringen um eine »Perspektive für Schwarzenshof« Gegenstand intensiver Diskussionen sein. Für diese Begegnungs- und Bildungsstätte mit großer Tradition ist die Jährliche Konferenz Alleingesellschafter. Im vergangenen Jahr hatten die Konferenzmitglieder einen Weg beschlossen, der sich zwischenzeitlich als nicht tragfähig erwiesen hat. Schließlich werden auch die Ergebnisse der Generalkonferenz diskutiert werden, die Ende April in Charlotte, im US-Bundesstaat North Carolina getagt hatte.

Zwei Konferenztage werden zu »Gottesdiensten«

Das Programm der Konferenz wird einen besonderen Rhythmus vorgeben. Der erste Konferenztag wird von zwei gottesdienstlichen Angeboten umrahmt. Am Vormittag geht es ums Ankommen, Hören und Aufatmen. Bischof Harald Rückert wird dabei mit einem geistlichen Impuls die Konferenz eröffnen. Am Abend bildet ein kreativer Gottesdienst mit Abendmahlsfeier die Möglichkeit, das Aufatmen zu erleben und mit Singen, Hören, Malen und Beten mitzugestalten. So werde »Gemeinschaft auf besondere Weise erlebbar«, sind die Überlegungen der Veranstalter.

Lutz Rochlitzer, Pastor in Schneeberg und Organisator der Konferenz, ist gespannt, »wie es gelingen wird, dass ein ganzer Tag zu einem Gottesdienst wird«. Auf jeden Fall werde durch diese Form das methodistische Selbstverständnis als Konferenz und Kirche deutlich. »Auch die Geschäftssitzungen sind Teil unseres geistlichen Lebens.«

Auch der Konferenzsonntag wird unter der Überschrift »Atemwege – ein Tag, ein Gottesdienst« vergleichbar konzipiert sein. Bischof Harald Rückert wird im ersten Teil predigen. Die Kinder erleben eine kindgerechte Verkündigung bei der »Kiko« genannten Kinderkonferenz mit der Theatergruppe »Regenbogenstraße«. Am Nachmittag stehen die Mitteilungen der Dienstzuweisungen für das neue Konferenzjahr für das »Weitergehen«. Dazwischen gibt es mit Mittagessen und einem Markt der Möglichkeiten verschiedene Angebote für die Konferenzmitglieder und die angereisten Gäste.

Vielfältiges Programm

Theater, Jugendkonferenz und das Konferenzfrauentreffen am Samstag, 8. Juni, lassen die Konferenz zu einem großen Gemeinschaftstreffen werden. Die Spielschar Aue wird mit »Attalus und Meno« ein Theaterstück aufführen, das die alte und immer wieder aktuelle Frage stellt, wie die Spirale von Hass und Gewalt durchbrochen werden kann. Die Jugendkonferenz lädt unter dem Motto »Entspann dich doch mal« zum »Chillen« ein. Das Konferenzfrauentreffen lädt zum »freien Atmen« ein. Eine Erlebnisbibelarbeit mit Schwester Beate, einer Referentin aus der in Franken beheimateten Christusbruderschaft Selbitz, vervollständigt das bunte geistliche Programm der Tage in Aue.

Die Tagungsorte in Aue sind die evangelisch-methodistische Christuskirche und das städtische Kulturhaus. Die Jugendkonferenz findet in der evangelisch-methodistischen Andreaskapelle im Stadtteil Neudörfel statt.

 

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Programm der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz
Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof 
Kulturhaus Aue 
Christuskirche Aue 

Neue Strukturen für eine neue Zeit

Di., 05/28/2024 - 06:02

Vom 22. bis 26. Mai tagte die Norddeutsche Jährliche Konferenz, das Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) für den Norden Deutschlands, in Bremen-Vegesack. Die Tagung endete mit einem Gottesdienst, in dem Bischof Harald Rückert predigte.

Es kommt Bewegung in die gewohnten Abläufe

»Wir haben in diesem Jahr mutige Beschlüsse gefasst«, sagte Rückert in seiner Predigt zum Abschluss der Tagung. Die Konferenz habe eine neue Struktur beschlossen, um den Realitäten gerecht zu werden. »Mutig sind wir geworden«, so Rückert. Die Konferenzmitglieder verabschiedeten sich von der Arbeitsweise in drei Distrikten, für die je ein Superintendent oder eine Superintendentin zuständig ist. Stattdessen gibt es vom Juli kommenden Jahres an nur noch einen Distrikt im Konferenzgebiet, dem zwei Superintendenten vorstehen.

Die Gemeindebezirke werden künftig in zwölf Regionen zusammenarbeiten, die von Regionalräten geleitet werden. Zwar sei die bisherige Struktur gut gewesen, »aber sie hilft uns nicht in die Zukunft«, erklärte Rückert in seiner Predigt. Mit dieser Entscheidung sei auch »mancher Schmerz verbunden«. Beim Predigen verließ der Bischof die Kanzel und ging durch die Reihen der gefüllten Christophoruskirche in Bremen-Vegesack, als wollte er unterstreichen, dass Bewegung in die gewohnten Abläufe kommen müsse.

Aufbruch in »neues Land«

Die Herausforderung sei, »dass wir im Aufbruch dranbleiben«, sagte Rückert. In all den Umbrüchen, die jetzt »notwendig und schmerzhaft« sind, werden schnell Fragen aufgeworfen wie »Was haben wir falsch gemacht?« und »Wer ist schuld?« »Bleibt nicht bei diesen Fragen stehen«, mahnte Rückert die Gemeinde. Vielmehr solle die Konferenz Vergebung in Anspruch nehmen und nach vorne gehen. »Lasst euch von Gott weiter in dieses neue Land führen«, sagte der Bischof. Die Kirche der Zukunft werde anders aussehen, aber das müsse uns nicht schrecken, denn die Kirche habe sich schon immer reformieren müssen.

Es sei Mut nötig, in eine völlig neue Zukunft aufzubrechen. Wer hoffe, dass es glimpflich abgehe und nur wenig Veränderungen nötig seien, der täusche sich, sagte Rückert, um dann die Gemeinde zu motivieren, sich auf den Wandel einzulassen und zu vertrauen. »Die Kirche wird sich ändern müssen – und Christus wird das tun, wenn wir es ihn nur tun lassen. Lasst Euch darauf ein!«, sagte der Bischof und hielt fest: »Ich glaube, es kann uns nichts Besseres passieren, als dass Gott uns verändert.« Es gehe darum, in dieser neuen Zeit in neuen Formen Kirche sein zu können.

Gegen Ausgrenzung: Alle sind willkommen

Zum Abschluss der Predigt ging Rückert noch auf die Polarisierung in der Gesellschaft ein. Gegenwärtig punkteten politische Parteien damit, dass sie sich abgrenzten. Nur noch das Eigene zähle, so Rückert. Außerdem werde Hass geschürt, wenn ein Mensch nur anders aussehe als man selbst. Dem hielt Rückert entgegen, dass die Kirche Jesu Christi eine Kirche für alle sei und folgerte daraus: »Wir dürfen keine Mauern aufrichten, und wir bezeugen das Evangelium glaubhaft, wenn wir dies deutlich machen.« Niemand sei ausgeschlossen von Gottes Liebe. Alle, die das anders tun, entsprechen nicht dem Evangelium, hielt Rückert fest.

Zwei neue Superintendenten

Bei der Konferenztagung in Bremen-Vegesack berief Bischof Rückert zwei neue Superintendenten: Die Pastoren Holger Sieweck aus Berlin und Olaf Wischhöfer aus Osnabrück werden Mitte des kommenden Jahres ihr neues Amt als Superintendenten antreten. »Wir sind auf einem Weg, auf dem wir Neues gestalten werden«, erklärte Sieweck, und weiter: »Ich sehe mich als ein Lernender in den Herausforderungen.« Wischhöfer sagte, er werde sich der Zukunft von Kirche in Umbrüchen stellen. Zu den Konferenzmitgliedern gewandt, sagte er: »Mich reizt es, diese Dinge mit euch anzugehen.«

Systemwechsel für die Finanzen

In den Beratungen über die Finanzen zog Ruthardt Prager eine positive Bilanz. Die mittelfristige Finanzplanung ziele darauf ab, das aktuell vorhandene, strukturell bedingte Haushaltsdefizit zu beenden. Dafür seien in den letzten Jahren viele Maßnahmen ergriffen worden, indem Ausgaben stark gekürzt und Personalkosten gesenkt wurden. Dennoch reichten diese Maßnahmen nicht, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erzielen, erklärte Prager, der als Pastor im Ruhestand die Aufgabe des Schatzmeisters der Jährlichen Konferenz ausübt.

Jetzt greife ein Systemwechsel, der vor zwei Jahren angestoßen worden sei. Für die Immobilien und Pensionen wurde dazu ein eigener Haushalt gebildet, um das Vermögen der Jährlichen Konferenz weiterzuentwickeln und die Zahlungen an die Pensionskasse abzusichern. Der nicht für die Gemeindearbeit genutzte Gebäudebestand beläuft sich nach Schätzungen auf fast 36 Millionen Euro. Als weitere Maßnahme wird vom kommenden Jahr an die Finanzumlage für die Gemeinden an die zu erwartende Zahl der Kirchenglieder geknüpft. Das solle die Bezirke entlasten. Alle Maßnahmen zielen darauf ab, dass die Jährliche Konferenz nur noch das Geld ausgebe, das die Gemeinden realistischerweise aufbringen könnten.

Missionsfonds für neue Projekte

Eine große Rolle spielte in den Beratungen, die zurückgehende Zahl der Personen im hauptamtlichen Dienst. Gegenwärtig seien es noch 61 Personen im aktiven Dienst. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, werde sich diese Zahl drastisch verringern. Jedoch sei das kein Anlass zur Resignation, sagte Ruthhardt Prager. »Die Zahlen helfen uns, um handlungsfähig zu werden.« Um Gemeindeaufbau zu finanzieren, richtete die Konferenz einen »Missionsfonds« ein. Damit werden neue Projekte finanziert, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. In diesem Zusammenhang wird das Berliner Projekt »Räume für christliche Spiritualität« ab September dieses Jahres als Gemeindegründung gefördert. Dieses Angebot, so wurde berichtet, habe Zulauf, und Besucher empfänden es als ihre Gemeinde.

Von Personen

Die Konferenzmitglieder begrüßten zur Tagung, erstmals drei junge Menschen aus den ghanaischen Gemeinden, die als Gäste an der Konferenz teilnahmen. Tanja Vorsteher und Gillian Horton-Krüger wurden für ihren Dienst als Lokalpastorinnen in Bielefeld beziehungsweise Flensburg gesegnet. Nicole Sims, eine als Missionarin aus den USA nach Europa entsandte evangelisch-methodistische Pastorin, wurde als neues Mitglied in der Konferenz begrüßt. Sie wechselt von Prag nach Düsseldorf, um eine internationale Gemeinde aufzubauen.

Am Abend der Gemeinschaft wurde Karl-Heinz Voigt für siebzig Jahre Dienst geehrt, Dieter Rutkowski für sechzig Jahre. Rainer Bath, Irene Kraft, Stefan Kraft und Christian Voller-Morgenstern feierten ihr vierzigjähriges Dienstjubiläum. Andreas Kraft ist seit 25 Jahren im Dienst. In den Ruhestand verabschiedet wurden Pastor Bodo Laux und Pastorin Regina Waack sowie Karin Recknagel nach 43 Jahren in der Konferenzgeschäftsstelle in Hamburg. Ein Team aus der Gemeinde Bremerhaven feierte die Jubilare mit viel norddeutschem Charme.

 

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Abschlussgottesdienst der Norddeutschen Jährlichen Konferenz vom Sonntag, 26. Mai (You-Tube-Video)

Dienstzuweisungen NJK 2024

So., 05/26/2024 - 12:00

(x) Zahlen in Klammern = Anzahl der Dienstzuweisungsjahre

Distrikt Berlin

Superintendent: Gabriel Straka (10)

  • Berlin-Charlottenburg, deutsche Gemeinde: Anja Müller (9, Lokalpastorin)
  • Berlin-Charlottenburg, internat. Gemeinde: Anja Müller (3, Lokalpastorin)
  • Berlin-Friedenau/Schöneberg: Holger Sieweck (18)
  • Berlin-Friedrichshain: Holger Sieweck (10)
  • Berlin Ghanaische Gemeinde: Stephen Amoah (2, Lokalpastor)
  • Berlin-Kreuzberg: Thomas Steinbacher (10)
  • Berlin-Lankwitz: Frank Drutkowski (22, Lokalpastor), Dr. Tobias Liebig (2, Mitarbeiter im Gemeindedienst)
  • Berlin-Neukölln/Eichwalde: Thomas Steinbacher (10), Matthias Zehrer (4)
  • Berlin-Oberschöneweide: Matthias Zehrer (4)
  • Berlin-Spandau: Marco Alferink (4)
  • Berlin-Tegel: Marco Alferink (4), Maren Herrendörfer (1)
  • Cottbus: Ingo Gutsche (5)
  • Eberswalde: Frank Burberg (6)
  • Neubrandenburg: zu besetzen, Aufsicht: Gabriel Straka
  • Neuruppin: Steffen Klug (3)
  • Oranienburg/Zepernick: Andreas Fahnert (9), Heidemarie Käsler (3, Mitarbeiterin im Gemeindedienst)
  • Potsdam: Lars Weinknecht (3)
  • Rostock: Hans-Hermann Schole (2)
  • Räume für christliche Spiritualität/Gemeindeneugründung: Maren Herrendörfer (5)
Distrikt Essen

Superintendent: Stefan Kraft (7)

  • Bebra/Eisenach: Jürgen Stolze (11), Raimund Schwarz (5, Mitarbeiter im Gemeindedienst)
  • Bergisches Land: Markus Sochocki (3, Pastor auf Probe), Aufsicht: Sven Kockrick
  • Bielefeld: Tanja Vorsteher (3, Lokalpastorin)
  • Braunfels: Jutta Göttsche (1, Mitarbeiterin im Gemeindedienst), Aufsicht: Stefan Kraft
  • Detmold: Günter Loos (10)
  • Düsseldorf Gemeindeneugründung: Nicole Sims (1)
  • Essen: Sven Kockrick (11)
  • Ghanaische Gemeinden Rhein/Ruhr: Samuel Oteng (1)
  • Kassel/Großalmerode: Katrin Schinkel (3, Pastorin auf Probe), Aufsicht: Jürgen Stolze
  • Lage: Günter Loos (8)
  • Mülheim an der Ruhr: Sven Kockrick (7)
  • Rheinland: Dr. Rainer Bath (7), Abena Obeng (6, Lokalpastorin)
  • Ruhrgebiet Ost: Dr. Gero Waßweiler (6), Regine Stoltze (7)
  • Thüringer Wald: Jürgen Stolze (5), Raimund Schwarz (5, Mitarbeiter im Gemeindedienst)
  • Wuppertal-Barmen: zu besetzen, Aufsicht: Stefan Kraft
  • Zur besonderen Verfügung: Sebastian Begaße (1)
Distrikt Hamburg

Superintendentin: Irene Kraft (10)

  • Bookholzberg: Ruthild Steinert (8)
  • Braunschweig/Clausthal: Friederike Meinhold (7)
  • Bremen: Katharina Lange (3), Michael Putzke (3)
  • Bremen-Nord: Susanne Nießner-Brose (3)
  • Bremerhaven: Christhard Elle (15)
  • Delmenhorst-Neerstedt: Katharina Lange (3), Ruthild Steinert (3)
  • Edewecht/Westerstede: Rainer Mittwollen (4)
  • Ellerbek: Christine Guse (13)
  • Flensburg: Gillian Horton-Krüger (1, Lokalpastorin)
  • Ghanaischer Bezirk Hamburg: Ebenezer Mensah (2)
  • Hamburg International UMC: Edgar Lüken (8)
  • Hamburg-Eimsbüttel: Edgar Lüken (2)
  • Hamburg-Hamm: Silke Bruckart (8), Edgar Lüken (10)
  • Hamburg-Harburg: Andreas Kraft (7)
  • Hamburg-Nord: Uwe Onnen (10), Hartmut Kraft (4), Silke Bruckart (2)
  • Hamburg-Wilhelmsburg: Hartmut Kraft (2)
  • Hannover: Frank Weber (2, Lokalpastor)
  • Kiel: Rainer Prüßmann (5)
  • Leer: Jürgen Woithe (2)
  • Lübeck: Anne-Marie Detjen (2)
  • Minden: Nicole Bernardy (9)
  • Neuschoo/Aurich: Bärbel Krohn-Blaschke (6)
  • Oldenburg/Wilhelmshaven: Klaus Abraham (19), Michael Künzler (2, Pastor auf Probe)
  • Osnabrück: Olaf Wischhöfer (12)
  • Vechelde Gemeindeneugründung: Dirk Liebern (2, Lokalpastor), Viola Liebern (2, Mitarbeiterin im Gemeindedienst)
  • Wolfsburg: Dietmar Wagner (15)
In besonderen Diensten

Im Bereich der Jährlichen Konferenz, Zentralkonferenz und deren Einrichtungen

  • Kinder- und Jugendwerk
    Referentin für  die Arbeit mit jungen Menschen: Nicole Bernardy (3)
    Referent für die Arbeit mit jungen Menschen: Dirk Liebern (7)
    Referent für die Arbeit mit jungen Menschen: Andreas Fahnert (9)
    Referent für die Arbeit mit jungen Menschen: Rainer Prüßmann (5)
  • Kommission für Evangelisation
    Sekretär für missionarischen Gemeindeaufbau: Christhard Elle (7)
  • Öffentlichkeitsarbeit
    Leitender Redakteur »unterwegs«: Michael Putzke (8)
  • Diakonie
    Bethanien Diakonissen-Stiftung, Agaplesion Bethanienhöfe: Uwe Onnen (10)
    Agaplesion Bethanien-Verbund, Berlin und Havelgarten Berlin: Birgit Fahnert (9/17)
    Bethanien Diakonissen-Stiftung, Theologischer Vorstand: Christian Voller-Morgenstern (3)
  • Theologische Hochschule
    Professor Dr. Stephan von Twardowski (7)
  • Gemeinschaftsbund
    Referent Gemeinschaftsbund: Steffen Klug (2)
Beurlaubungen
  • Tanja Lübben (4)
Pastorinnen und Pastoren im Ruhestand

Dr. Daniele Baglio, William Barnard-Jones (Lokalpastor), Siegfried Barth (OJK), Dieter Begaße, Walter Berchter, Benno Bertram, Gunter Blaschke, Werner Braun, Volker Bruckart, Gerold Brunßen, Edit Czimer, Elke Dinkela, Daniel Dittert, Reinhold Elle, Siegfried Ermlich, Andreas Fellenberg, Joachim Georg, Matthias Götz (OJK), Christel Grüneke, Rudi Grützke, Hartmut Handt (SJK), Armin Hanf, Frank Hermann, Hans-Wilhelm Herrmann (SJK), H. Van Jollie, Carolyn Kappauf, Bodo Laux, Thomas Leßmann, Hans Michalski, Dr. Ute Minor, Karsten W. Mohr, Werner Mohrmann, Ruthardt Prager (SJK), Joachim Rohrlack, Dieter Rutkowski, Hans-Hermann Schole, Manfred Selle, Helmuth Seifert, Dietmar Sieweck, Hans-Albert Steeger, Hans-Ulrich Stein, Herbert Stephan, Siegfried Stoltze, Reinhard R. Theysohn, Karl Heinz Voigt, Friede-Renate Weigel, Joachim Weisheit

Bewerber/innen für das Predigtamt – Studierende

An Universitäten und anderen Ausbildungsstätten

  • Jonas Stolze
Ehrenhaft lokalisierte Pastoren/Pastorinnen
  • Jürgen Anker (i. R.)
  • Sebastian D. Lübben
  • Manfred Müller
  • Andreas Schäfer

»Nicht du trägst die Wurzel«

Sa., 05/25/2024 - 10:33

Zwischen Geschwistern gibt es immer mal Gerangel und Eifersüchteleien. So weit, so normal. Das Verhältnis von jüdischer und christlicher Glaubensgemeinschaft, von Synagoge und Kirche könnte geschwisterlich sein – war aber spätestens vom 4. Jahrhundert an extrem verschieden. Hier eine unter alle Nationen verstreute jüdische Gemeinschaft, dort eine dominant auftretende Christenheit, die sich als das »neue Israel« verstanden und Gottes Heil allein für sich reklamierte. Einen Austausch auf Augenhöhe zwischen Christen und Juden gab es durch all die Jahrhunderte nie; echte Begegnung auch nicht – bis ins 20. Jahrhundert hinein.

Viele Christen wissen wenig über den Glauben der Juden. Vielen ist auch nicht bewusst, wie tief die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens reichen. Zwar wird heute kaum jemand offen die absurde These vom »Gottesmord« vertreten, wonach »die Juden« für den Verbrechertod Jesu am Kreuz verantwortlich sein sollen. Aber judenfeindliche Denkmuster sind auch in christlichen Gemeinden verbreitet. Zugleich gibt es dort auch das Gegenteil: echtes Interesse am Judentum. Manchmal regelrechte Israel-Begeisterung, die aber leicht enttäuscht werden kann. Denn der 1948 neu gegründete, säkulare Staat Israel ist eben nicht identisch mit dem biblischen Bundesvolk Israel. Wie dessen Geschichte nach der Trennung von Synagoge und Kirche weiterging, das hat die Christenheit allzu lange nicht wirklich interessiert.

Dabei haben Christen allen Grund, sich mit dem jüdischen Glauben zu beschäftigen. Jesus war Jude. Seine Lehre ist herausgelöst aus dem Judentum kaum zu verstehen. Seine Anhängerschaft bestand anfänglich fast ausschließlich aus Jüdinnen und Juden. Jesus war zunächst einmal der Messias Israels – und ist zum Heiland der Welt geworden, denn er hat auch bei Menschen aus den heidnischen Völkern Glauben gefunden und Glauben geweckt.

Antisemitismus in alter und neuer Zeit trifft immer auch den Juden Jesus und seine Jüngerschaft. Dietrich Bonhoeffer hat schon 1932(!) vor evangelischen Theologen gesagt: »Wer nicht für die Juden schreit, darf nicht gregorianisch singen.« Dass die Christen und die Kirchen in den folgenden Jahren mehrheitlich stumm blieben, das hat ihr Zeugnis verdunkelt und bloßgestellt.

Heute sind antisemitische Denkmuster und Vorbehalte immer noch weit verbreitet, machen sprachlos und ratlos. Erst recht herrscht Ratlosigkeit angesichts der unseligen Allianz völlig gegensätzlicher Gruppierungen, deren gemeinsamer Nenner die irrationale Abneigung gegen Juden ist und Hass auf den Staat Israel: Rechtsextreme, Islamisten, Linksextreme, woke Antirassisten überbieten sich gegenseitig in unhaltbaren Vorwürfen, nehmen Menschen jüdischen Glaubens in Haftung für alles, was im Heiligen Land passiert. Sie legen dabei doppelte Maßstäbe an und leugnen oder relativieren die Verantwortung der Hamas für das Massaker vom 7. Oktober 2023.

Was ist angesichts dieser Situation gefordert, was können christliche Gemeinden und einzelne Gläubige tun? Fünf Vorschläge: 1. Sich selbst und andere informieren und dabei die Quellen gewissenhaft prüfen. 2. Das Gespräch mit jüdischen Menschen suchen, Kontakt zu jüdischen Gemeinden knüpfen. 3. Antisemitischen Äußerungen und Handlungen entschieden entgegentreten. 4. Die Evangelien aufmerksam lesen und Jesus als den Juden wahrnehmen, der er eben auch war. Dadurch sprachfähig werden. 5. Bewusster und selbstbewusster glauben.

Zwei neue Superintendenten für die EmK »im Norden«

Fr., 05/24/2024 - 16:15

Bei der in Bremen-Vegesack tagenden Norddeutschen Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) berief Bischof Harald Rückert am heutigen Freitag, 24. Mai, zwei neue Superintendenten. Die Pastoren Holger Sieweck aus Berlin und Olaf Wischhöfer aus Osnabrück werden ab 2025 ihr neues Amt als Superintendenten antreten.

»Wir brauchen neue Menschen für das Superintendentenamt in der Norddeutschen Jährlichen Konferenz«, sagte der Bischof zur Einleitung der Berufung von zwei Personen für dieses Amt. Allerdings habe der Wahlausschuss die formalen Bedingungen für eine Nominationswahl nicht erfüllen können. Die für eine Wahl erforderliche Zahl von mindestens zwei Kandidaten je Stelle konnte nicht erreicht werden. Deshalb hatte die Norddeutsche Jährliche Konferenz bei einer per Internetübertragung durchgeführten außerordentlichen Tagung am 28. Februar auf ihr Vorschlagsrecht verzichtet und den Bischof gebeten, zwei Personen für das Amt zu berufen. Diese Berufung fand am Ende der Vormittagssitzung am heutigen Freitag statt. Mit dem Lied »Ich singe für die Mutigen …, die Gottes Ruf hören, die auch ins Ungewisse geh‘n mit ihm« brachten die Konferenzmitglieder ihren Dank und die Unterstützung zum Ausdruck, die sie den beiden neuen Superintendenten für die Ausübung ihres Dienstes entgegenbringen.

Holger Sieweck: Gegenseitig Lernende und Unterstützende sein

Nach gut dreißig Jahren Erfahrung als Gemeindepastor ist Holger Sieweck »in großer Ehrfurcht gespannt vor dem, was jetzt kommt«. In der neuen Aufgabe als Superintendent sieht er »eine Chance, in noch einmal ganz andere Weise meinen Dienst zu gestalten«. Der heute 58-Jährige wurde in Leipzig mit zwei weiteren Geschwistern in eine Pastorenfamilie hineingeboren. Aufgrund der dienstlichen Versetzungen des Vaters wuchs er im sachsen-anhaltinischen Genthin und an der Ostseeküste in Wismar auf. Wegen der Zugehörigkeit zur Kirche blieb ihm das Abitur verwehrt, sodass er eine Ausbildung zum Baufacharbeiter machte.

Mit 21 Jahren begann er nach einer Sonderprüfung für Theologie mit dem Studium der Evangelischen Theologie an der Universität Leipzig seinen Weg in den pastoralen Dienst. Pastor zu werden, sei für ihn aber nicht selbstverständlich gewesen, obwohl er damit »Pastor in dritter Generation« wurde, wie er es selbst formuliert. »Es war ein Ringen«, beschreibt er die berufliche Entscheidung. Die seitherigen Dienstzuweisungen in Gemeinden führten ihn seit 1993 über Genthin und Magdeburg nach Berlin-Neukölln und Eichwalde (ab 2003) sowie nach Berlin-Friedenau und Berlin-Friedrichshain (seit 2015).

In der jetzt vor ihm liegenden Aufgabe sieht er eine »Zäsur«. Der Dienstantritt als Superintendent sei ein »kompletter Wechsel«, weil dann eine neue Person die bischöfliche Leitung innehabe und gleichzeitig die Struktur der Distrikte und der Regionen für die Kirche in Norddeutschland neu organisiert werde. »Eigentlich ist alles im Umbruch«, sagt er und formuliert die Herausforderung. »Mir ist klar: Das kann nur gemeinsam gelingen, indem die ganze Konferenz das mitträgt.« Diese Veränderungen könnten nur gelingen, »wenn wir gegenseitig Lernende und Unterstützende sind«, ist Sieweck überzeugt.

Für die Umsetzung sieht der neue Superintendent die Herausforderung darin, »die Regionen zu stärken und die Kräfte zu bündeln«. Dazu gehöre auch, »das, was uns Methodisten ausmacht und prägt, an möglichst vielen Stellen zu erhalten und zu stärken«. Als Kennzeichen der »methodistischen Identität« sieht der verheiratete Familienvater von zwei erwachsenen Kindern »fröhlich-lebendig gelebtes Gottesdienstfeiern« sowie »eine verbindliche Lebensgestaltung im Glauben«. Für den Methodismus prägend sieht er auch das Verbundensein innerhalb einer Region, in der Konferenz und in einer Kirche, die über die eigene Gemeindegrenze und Konferenz hinaus zusammengehört. Außerdem gehört für ihn auch »eine große Bandbreite an kirchlicher Tradition und Sozialisation« sowie »die Offenheit für ein Miteinander in der Ökumene« zum Kern methodistischer kirchlicher Arbeit.

Trotz der großen Herausforderungen freut sich Sieweck auf seine neue Aufgabe. Er ist zuversichtlich, dass mit der in den letzten Jahren angesichts schwieriger Diskussionen zum Umgang mit Homosexualität die dabei erlernte Gesprächsfähigkeit auch in den kommenden Umbrüchen tragen kann. »Wir sind gesprächsfähig geblieben und haben Dialogfähigkeit entwickelt«, beschreibt er die Phase im Ringen der Kirche. »Wir haben einander unsere Überzeugungen anerkannt und uns gegenseitig Freiheit und Überzeugung zugestanden.« Das, so der neue Superintendent, seien gute Voraussetzungen, gemeinsame Wege in die Zukunft zu finden und zu gestalten.

Olaf Wischhöfer: Nicht auf alle Fragen eine Antwort haben müssen

Olaf Wischhöfer wurde in Hamburg geboren und wuchs in Lübeck auf. Seine gymnasialen Schwerpunkte mit Mathematik und Physik zielten auf einen beruflichen Weg als Ingenieur. Die Glaubenserfahrungen als 18-Jähriger bei einer Evangelisation in seiner Heimatgemeinde Lübeck-Dornbreite sowie der Zivildienst bei der Heilsarmee in Hamburg-St. Pauli setzten jedoch andere Akzente. Vor allem die Predigten des Pastors seiner Heimatgemeinde, Werner Braun, faszinierten ihn. »Dass da einer etwas sagt, was existentiell ist und mit allem zu tun hat – ob Frieden, Welt, alles gehört dazu –, das hat mich tief beeindruckt.« Ihm sei klargeworden, »dass mich da etwas gezogen hat«, beschreibt der eher introvertierte Pastor dieses damalige Erleben. »Ich hatte den Eindruck, da ist etwas, das alle wissen müssen.«

So führte ihn sein Weg 1987 in den pastoralen Dienst. Über das Praktikum in Köln und das Studium am Theologischen Seminar in Reutlingen (heute Theologische Hochschule Reutlingen) führten die weiteren Stationen 1993 nach Hamburg-Harburg und Wilhelmsburg, 1995 nach Leer in Ostfriesland, 2003 nach Hamburg-Hamm und seit 2013 nach Osnabrück. »Mein Gemeindedienst war davon geprägt, missionarischen Gemeindeaufbau treiben zu wollen«, beschreibt der verheiratete Familienvater von vier erwachsenen Kindern seine Leidenschaft als Gemeindepastor. Gleichzeitig blickt er kritisch auf diese Zeiten zurück.

Er habe viele Ansätze mitgestalten können und mit den Gemeinden zusammen die Arbeit »zukunftstauglich« weiterentwickeln können. Gemeinden hätten einen »Kulturwandel« vollzogen, sich in den Stadtteil hinein vernetzt oder sich für die Nöte von Mitmenschen interessiert. »Allerdings«, so Wischhöfer, »ist der missionarische Erfolg nicht im erhofften Maß eingetreten.« Er beschreibt diese Erfahrung damit, immer wieder an unüberwindbar scheinende Grenzen gekommen zu sein. Darüber hinwegzukommen sei nicht einfach – weder für die Gemeinde noch für den Pastor. Statt aufzugeben habe ihn das aber zum Weiterfragen animiert. Dabei habe er entdeckt, dass manche theologischen Angebote und Antworten zu eng oder zu einfach seien. »Andere haben auch recht; die Welt ist größer«, beschreibt er diesen inneren Umbruch aus einer eher eng geprägten Frömmigkeit in eine sich weiter öffnende theologische Grundhaltung.

Während einer dreimonatigen Auszeit im Recollectiohaus bei den Benediktinern im fränkischen Münsterschwarzach sei er »in eine neue Welt der Spiritualität« eingetaucht. »Das war eine seelsorgerlich sehr berührende Erfahrung«, beschreibt Wischhöfer diese Zeit. Für ihn leitend wurde daraufhin der Satz: »Ich muss nicht auf alle Fragen eine theologische Antwort haben.« Aus seinen jugendlichen Glaubenserfahrungen hatte er eine Haltung übernommen, dass überzeugter Glaube »immer eine Antwort haben muss«. Dieser Druck sei jetzt weg, was er als »eine sehr wohltuende Erfahrung« beschreibt. »Ich muss nicht alles wissen und können, sondern Gott will sich in mir entfalten können.« Das nehme er jetzt auch in seine neue Aufgabe als Superintendent mit.

Deshalb sagt der 59-Jährige zu der neuen Herausforderung: »Ich habe Lust mit meinen Kolleginnen und Kollegen am weiteren Weg der Kirche zu arbeiten.« Dabei habe er auch im Blick, dass Bischof Rückert bei einer der letzten Konferenzen sagte: »Wir stehen vor Veränderungen, deren Ausmaß wir noch nicht einmal erahnen.« Er habe dafür kein fertiges Konzept »wie das mit weniger Menschen und Finanzen gehen kann«. Er ist gespannt auf die neue Aufgabe und sieht darin »eine extreme Herausforderung, noch einmal als Mensch zu wachsen und in der Dienstgemeinschaft und mit den Gemeinden diese Aufgaben anzugehen«.

Wie ein einzelnes Wort die Perspektive verändert

Do., 05/23/2024 - 05:46

Vom 22. bis 26. Mai tagt die Norddeutsche Jährliche Konferenz, das Kirchenparlament für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) im Norden Deutschlands. Gastgeber sind in diesem Jahr die EmK-Gemeinden im Raum Bremen. In der Bremer Erlöserkirche fand am gestrigen Mittwochabend, dem 22. Mai, der Eröffnungsgottesdienst mit Abendmahl statt. Die Tagung steht unter dem Motto »Die Wurzel, die dich trägt«.

Sich selbst nicht zu schnell freisprechen

Michael Putzke predigte zum Konferenzmotto, das die Verwurzelung des christlichen Glaubens im Judentum thematisiert. Mit drei Beispielen zeigte der leitende Redakteur des EmK-Magazins »Unterwegs« und mit einem Teilauftrag als Pastor an der Erlöserkirche wirkende Prediger auf, wie der Antisemitismus in der heutigen deutschen Gesellschaft in einer Weise »wieder« sichtbar sei, »wie wir uns das nicht vorstellen wollten und konnten«. Die Tage der Konferenz, so Putzke, dienten dazu, sich dieser Situation zu stellen, »denn wir als Christinnen und Christen sind mit dem jüdischen Volk verbunden«.

In drei Schritten entfaltete er die Notwendigkeit, sich antisemitischen Tendenzen zu stellen, die auch im christlichen Kontext vorkommen. Dazu gehörte ein persönlicher Bericht seiner Ehefrau zu ihrer familiären jüdischen Verwurzelung, die aber jahrzehntelang verschwiegen wurde. Außerdem benannte er die Situation jüdischer Menschen in Deutschland, die sich seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober vergangenen Jahres häufig nicht mehr trauten, ihre jüdische Identität in der Öffentlichkeit zu zeigen. Schlussendlich verwies Putzke auf eine Aussage des Apostels Paulus im elften Kapitel des Römerbriefs, mit der er die Konferenzgemeinde ermahnte, sich selbst nicht zu schnell von antisemitischen Tendenzen freizusprechen.

Sich über die Verwurzelung im Judentum freuen

Überraschend und eindrücklich wies er die verborgen wirkenden Denkmuster an einer bekannten Liedphrase nach. Im Lied »Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit!« werde »Israel« in dem Versteil »freue dich, Israel, seiner Gnaden« einfach auf »die Kirche« übertragen. Die Kirche reklamiere für sich, »das neue Volk Gottes zu sein; das jüdische Volk ist jetzt nicht mehr«, macht Putzke auf diese Vereinnahmung aufmerksam. In der neuen Fassung dieser kurzen Sequenz heißt es im evangelisch-methodistischen Gesangbuch (Nummer 79) nun: »Freu dich mit (!) Israel seiner Gnaden«. Des Predigers Schlussfolgerung: »Ein einzelnes Wort wird eingefügt, und die Perspektive ändert sich. Die Haltung ändert sich. Wir freuen uns zusammen mit den Jüdinnen und Juden, Gottes Kinder zu sein.«

Nachdenklich schließt Putzke seine Ausführungen: Zu schnell steckten auch Christen »die jüdischen Traditionen in tiefe Schubladen«. Es gebe jedoch so viel, »das wir mit unseren jüdischen Geschwistern teilen«. Mit dem Bild des Paulus vom Zweig eines wilden Olivenbaums, der in einen edlen eingepfropft ist, weise dieser darauf hin, woher der christliche Glaube komme. »Für Überheblichkeit ist da kein Platz«, kommentiert Putzke dieses Bild und schließt seine Predigt, indem er das Konferenzmotto aufgreift: »Freuen wir uns darüber, welche starken Wurzeln wir im Judentum haben. Sie tragen uns.«

Die anstehenden Beratungen

In den Geschäftssitzungen der Konferenztagung wird neben anderen Tagesordnungspunkten auch die Umstrukturierung der kirchlichen Arbeit ab 2025 beraten. Im geografisch weit ausgedehnten Konferenzgebiet sollen künftig nur noch zwei Superintendentenstellen für die Organisation und Aufsicht genügen statt bisher drei. Die Berufung von zwei Personen für diese Superintendentenstellen mit Dienstbeginn im kommenden Jahr soll während der Konferenz bekanntgegeben werden. Außerdem soll das gesamte Konferenzgebiet in zwölf Regionen aufgeteilt werden. Den Abschluss der Konferenztagung bildet am Sonntag der Konferenzgottesdienst mit einer Predigt des Bischofs Harald Rückert.

Sich dem Antisemitismus stellen

Mo., 05/20/2024 - 06:13

Die Norddeutsche Jährliche Konferenz, das für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Norddeutschland zuständige Kirchenparlament, tagt vom 22. bis 26. Mai 2024 in Bremen-Vegesack. Die Tagung steht unter dem Motto »Die Wurzel, die dich trägt«.

Drei Jahre alte Planungen werden unvermittelt aktuell

Das Thema nimmt einen Vers aus dem Brief des Paulus an die Römer (Kapitel 11, Vers 18) auf. Paulus mahnt die damals in Rom befindlichen Christen, den jüdischen Glauben wertzuschätzen: »Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.« Für den jüdisch-christlichen Dialog ist diese Aussage eine wichtige Grundlage. Für die Konferenztagung ist dies ein Anlass, sich mit dem Antisemitismus auseinanderzusetzen. Die Festlegung des Themas liegt schon drei Jahre zurück. Als die konkreten Konferenzplanungen vor über einem Jahr begannen, hatten antisemitische Äußerungen und Aktionen in Deutschland weiter zugenommen. »Der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 markierte einen weiteren dramatischen Einschnitt«, hält Irene Kraft fest. Die Superintendentin ist für den Distrikt Hamburg zuständig, in dessen Gebiet die Norddeutsche Jährliche Konferenz in diesem Jahr tagt.

Welchen Anteil am Antisemitismus hat die christliche Kirche?

Kraft betont, dass man als Kirche eine Aufgabe darin erkenne, sich selbstkritisch mit der eigenen Tradition auseinanderzusetzen. »Wir haben daher unser Augenmerk darauf gelegt, welchen Anteil gerade auch die christlichen Kirchen an bewussten und unbewussten antisemitischen Haltungen haben. Wir wollen darüber reflektieren, wie wir in unseren Gemeinden über das Judentum früher und heute sprechen«, so Kraft. Weiter gehe es darum, wahrzunehmen, dass »christliche Überzeugungen« im »Judentum wurzeln«. So solle auch der Frage nachgegangen werden, »wie wir gemeinsam mit unseren jüdischen Geschwistern zu einem guten Miteinander in der Gesellschaft beitragen können«.

Als Referentinnen konnte das Vorbereitungsteam Pfarrerin Milena Hasselmann vom Institut »Kirche und Judentum Berlin« gewinnen sowie Maria Coors, die als Theologin und Historikerin das Projekt »Weißt Du, wer ich bin?« der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland leitet. »Beide Referentinnen verfügen über eine breite Expertise im gesamten Themenfeld Antisemitismus, die sie mit einbringen können«, hebt Kraft hervor. Während der Tagung der Konferenz ist auch ein Besuch in der Bremer Synagoge geplant, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur EmK-Gemeinde in Bremen-Schwachhausen steht.

Auf der Tagesordnung

In den Geschäftssitzungen werden die Konferenzmitglieder beraten, wie die kirchliche Arbeit von 2025 an im geografisch weit ausgedehnten Konferenzgebiet künftig nur noch mit zwei Superintendentenstellen organisiert werden kann. Bisher sind es drei Superintendentenstellen. Außerdem soll das bisher in drei Distrikte aufgeteilte Konferenzgebiet in Regionen aufgeteilt werden. Im Gespräch sind zwölf Regionen, die zusammen von zwei Personen im Superintendentenamt geleitet werden sollen. Im Rahmen der Konferenztagung wird auch die Berufung von zwei Personen für das Superintendentenamt bekanntgegeben, die ab 2025 dieses Amt ausüben werden.

Die gastgebende Gemeinde

Bremen hat für die Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland eine besondere Bedeutung. Von dort nahm die Mission der Bischöflichen Methodistenkirche ab 1849 ihren Anfang. Zuletzt tagte die Norddeutsche Jährliche Konferenz im Jahr 1991 in der Stadt an der Weser. Dieses Mal ist der gastgebende Bezirk Bremen-Nord. Die Christuskirche in Bremen-Vegesack ist schräg gegenüber dem Bürgerhaus beheimatet. Die Gemeinde ist klein, aber sehr lebendig und engagiert sich stark im sozialdiakonischen Bereich und in der Ökumene. Unter anderem öffnet die Gemeinde jeden Sonntag ihre Räumlichkeiten für den Mittagstisch der Obdachloseninitiative. Pastorin Susanne Nießner-Brose und viele ehrenamtliche Mitarbeitende bereiten sich seit Monaten intensiv auf ihre Gastgeberrolle für die Jährliche Konferenz vor.

Die EmK klärt Beziehung zur Global Methodist Church

Sa., 05/18/2024 - 07:30

Der Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche wendet sich mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit. Darin wird die Beziehung zwischen der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Global Methodist Church (GMC; Globale methodistische Kirche) klargestellt.

Im Nachgang zur kürzlich zu Ende gegangenen Generalkonferenz, dem weltweit höchsten Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), veröffentlichte der Bischofsrat am Mittwoch, 14. Mai, ein Dokument zur Klarstellung der gegenwärtigen Beziehung zwischen der EmK und der Global Methodist Church. Besonders nachdem die Generalkonferenz bei ihrer Tagung bei vielen zuvor umstrittenen Themen mit großer Übereinstimmung weitreichende Entscheidungen traf, ist die Klarstellung des Verhältnisses zur GMC wichtig. Hintergrund dafür ist die im Mai 2022 vollzogene Abspaltung der GMC von der Evangelisch-methodistischen Kirche und die seither und bis heute anhaltenden Versuche, Kirchenglieder und Gemeinden zum Verlassen der Evangelisch-methodistischen Kirche zu bewegen.

Bischöfin Tracy S. Malone, die Vorsitzende des Bischofsrats, weist darauf hin, dass es derzeit seitens der GMC keine Bereitschaft dafür gibt, mit der Evangelisch-methodistischen Kirche in eine geordnete Beziehung einzutreten. Sie zählt vier Voraussetzungen auf, die einer aufrichtigen Begegnung und Gemeinschaft zweier partnerschaftlich verbundener Kirchen zugrunde liegen. Dazu gehöre zum einen, sich gegenseitig »als Glieder der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche, des Leibes Christi, an(zu)erkennen«. Außerdem müsse die »Echtheit der Sakramente« der jeweiligen Partnerkirche anerkannt werden und zur gegenseitigen Teilnahme an der Feier des Heiligen Abendmahls eingeladen werden. Drittens sei die »Echtheit des christlichen Dienstes der jeweiligen Partnerkirche« zu bekräftigen. Schlussendlich gehöre zu einer aufrichtigen Begegnung, »die Gültigkeit der Ämter« der Partnerkirche anzuerkennen.

Im Namen des Bischofsrats erklärt Bischöfin Malone seitens der EmK die Bereitschaft, auf der vorgenannten Basis ökumenischer Beziehungen, für Begegnungen mit der Leitung der GMC bereit zu sein. Gleichzeitig fordert sie von der Leitung der Global Methodist Church »diesen Geist gegenseitiger Anerkennung ein«. Nur so könne zwischen beiden methodistischen Kirchen eine Gemeinschaft gelebt werden, die dem Auftrag Christi zur Einheit gerecht werde.

 

Weiterführende Links

Die weltweite EmK findet einen versöhnten Frieden

Fr., 05/10/2024 - 12:45

Die am Freitag vergangener Woche, 3. Mai, zu Ende gegangene Generalkonferenz, das höchste Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche, fasste weitreichende Beschlüsse. Dazu gehören die Regionalisierung der Kirche mit dem Ziel stärkerer internationaler Gleichberechtigung der verschiedenen Regionen dieser Kirche, die Öffnung der Kirche für die Ordination Homosexueller sowie eine Neufassung der Sozialen Grundsätze der Kirche. Die Tagung fand in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina statt. Hier werden die Ergebnisse noch einmal übersichtlich zusammengefasst.

Der Streit ist beigelegt – große Einheit bei der Generalkonferenz

Nach Jahrzehnten mit regelmäßig wiederkehrenden heftigen Auseinandersetzungen bei den alle vier Jahre stattfindenden Generalkonferenzen fand die Evangelisch-methodistische Kirche bei ihrer jetzt zu Ende gegangenen Generalkonferenz in einen völlig neuen Arbeitsmodus. Fast alle Abstimmungen mit weitreichenden Konsequenzen fanden deutliche Mehrheiten von 75 bis zu 95 Prozent. Die Zustimmungswerte zeigten außerdem an, dass bei vielen der Abstimmungen auch große Teile der afrikanischen Delegierten die neue Einheit mittrugen. Nach der in einem Missklang endenden außerordentlichen Generalkonferenz von 2019 hatte kaum jemand mit einer solchen Übereinstimmung gerechnet. Weil in den Vereinigten Staaten zwischenzeitlich rund 25 Prozent der Gemeinden und Kirchenglieder die Evangelisch-methodistische Kirche verlassen hatten, war bei dieser Tagung eher mit einer sich fortsetzenden tiefen Spaltung gerechnet worden. Diese ist nun abgewendet.

Das hat sich auch atmosphärisch in den Tagen der Generalkonferenz bemerkbar gemacht. Die Wortmeldungen im Plenum waren auch bei dieser Generalkonferenz phasenweise kontrovers und intensiv. Fairness und Respekt waren jedoch erkennbar. Stark ausgeprägt, und damit auch ein deutliches Kennzeichen der in Gang gesetzten Regionalisierung, war die Rücksichtnahme auf die vielen Sprachen, in denen die Delegierten »zuhause« sind. Phasenweise mussten die Vorsitzenden im Plenum viel Geduld aufbringen, um zu verstehen, was das Ziel von Redebeiträgen und Anträgen eigentlich war. Aber es zeigte sich, dass der Wille zu respektvoller Gemeinschaft nicht nur behauptet, sondern gelebt wird. Link zum Abschlussvideo von Bischof Harald Rückert.

Die Regionalisierung als Fundament einer weltweiten Kirche

Das Signal für diese atmosphärische Wendung ging von der bereits in den ersten Tagen beratenen und beschlossenen, allerdings noch nicht in Kraft gesetzten, sogenannten Regionalisierung der Kirche aus. Weil sich die Struktur und Machtbalance der Kirche voraussichtlich nachhaltig verändern wird, ist damit ein neues Fundament für eine weltweite Kirche gelegt, die diese Bezeichnung verdient. Neben drei Regionen in Europa und Eurasien, einer Region auf den Philippinen und drei Regionen für Afrika wird es künftig auch eine neu zu bildende Region für die Vereinigten Staaten geben. Damit wird die jahrzehntelange Vorrangstellung des US-Teils der Kirche enden, der sich häufig einer weltweiten Regionalisierung und Gleichberechtigung der verschiedenen Kirchenregionen widersetzte. Die umfangreichen US-lastigen Inhalte der bisherigen Generalkonferenz werden künftig nur noch Gegenstand für die Beratungen in der US-Region der Kirche (siehe Meldung).

Mit der noch zu bestätigenden Regionalisierung werden alle Regionen der EmK, auch die USA, das Recht erhalten, Teile der Kirchenordnung dem regionalen Kontext sowie den kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen. Dazu gehören auch die bisher höchst umstrittenen kirchenrechtlichen Rahmenbedingungen für den pastoralen Dienst, das Verständnis von Sexualität, Ehe und Familie sowie die Festlegung von Liturgien für Trauungen und andere kirchlichen Feiern.

Weil die Regionalisierung eine Änderung der Kirchenverfassung erfordert, war dafür eine Zweidrittelmehrheit nötig. Mit über 78 Prozent Zustimmung wurde der geforderte Wert deutlich übertroffen. Vor dem Inkrafttreten dieser Verfassungsänderung müssen alle Mitglieder aller Jährlichen Konferenzen der EmK weltweit ebenfalls insgesamt mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen (siehe Meldung).

»Damit wird die Evangelisch-methodistische Kirche tatsächlich zu einer weltweit gleichberechtigten Kirche«, sagte Harald Rückert, der für den deutschen Teil der Kirche zuständige Bischof. Er war zu diesem frühen Zeitpunkt der Konferenz »völlig überrascht« von der »komplett anderen Atmosphäre gegenüber früheren Generalkonferenzen«. Dass dieser Schritt zur Regionalisierung nach so vielen Jahren intensiver Vorarbeit »endlich« möglich wurde, habe ihn und viele andere »mit Hoffnung erfüllt und motiviert weiterhin diese Kirche zu gestalten«. Diesen Moment bezeichnete er als »Aufbruchstimmung«, um »miteinander die Zukunft der Kirche weltweit zu gestalten«.

Unvereinbarkeit von Homosexualität und pastoralem Dienst ist aufgehoben

Die zweite, mit Sorge erwartete Entscheidung war die Debatte über den in der Ordnung der Kirche festgeschriebenen Ausschluss von der Ordination zum pastoralen Dienst für Personen, die ihre Homosexualität offen leben. Wider Erwarten blieb auch hier eine harte Diskussion aus. In der Erwartung, dass künftig die Regionen hier eigene Standards setzen und kirchenrechtliche Regelungen treffen können, waren die Delegierten bereit, jetzt schon dieses Verbot und andere ausgrenzende Formulierungen zu beseitigen.

Mit 95 Prozent Zustimmung zur Aufhebung des vierzig Jahre alten Verbots war die Entscheidung fast einstimmig und kein Vergleich gegenüber 2019. Damals hatten sich die Delegierten genau an dieser Frage unversöhnlich zerstritten. Somit endete ein Streit, der die Kirche über viele Jahre hinweg massiv belastet hatte (siehe Meldung).

Damit erhalten alle Kirchengebiete der EmK noch vor Einführung der Regionalisierung das uneingeschränkte Recht, über das Verständnis von Ehe sowie über die Zugangsbedingungen zur Ordination zu entscheiden. Für den US-Teil der Kirche ist diese Entscheidung mit Abschluss der Generalkonferenz bereits in Kraft getreten. Die Kirchengebiete außerhalb der Vereinigten Staaten müssen diese Entscheidung innerhalb eines Jahres nach der Generalkonferenz erst noch für ihr Gebiet in Kraft setzen, soweit sie nicht bisher schon eine andere Regelung hatten. Für den deutschen Teil der Kirche bestätigt der Beschluss der Generalkonferenz die bereits getroffene Entscheidung vom November 2022. Damals hatte die Zentralkonferenz Deutschland bereits eine vergleichbare Entscheidung getroffen, die jetzt durch die Generalkonferenz bestätigt wurde.

Neufassung der Sozialen Grundsätze: kürzer, allgemeiner, offener

Die Sozialen Grundsätze sind eine bedeutende Grundlage für die soziale Ausrichtung der Evangelisch-methodistischen Kirche. Deshalb war für die vorliegende Neufassung eine kritische Diskussion erwartet worden. Mit einer Mehrheit von 76 Prozent war auch hier überraschend schnell die strittige Formulierung, dass »praktizierte Homosexualität (…) als unvereinbar mit der christlichen Lehre« angesehen wird, aus den Sozialen Grundsätzen entfernt. Gleichzeitig wurde ein offenes Verständnis von »Ehe« formuliert, das im Wesentlichen allen kulturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen der jeweiligen Gesellschaft und politischen Situation entspricht. Damit war ein 52 Jahre währender Konflikt befriedet.

Vielmehr als nur in dieser Einzelfrage will die Neufassung der Sozialen Grundsätze grundlegende Fragen allgemeiner fassen und nicht bis ins Einzelne mit konkreten Handlungsanweisungen ausführen. Aufgrund kultureller, gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen sind auch hier die unterschiedlichen Regionen der Kirche gefordert, die Schlussfolgerungen für das eigene Umfeld zu konkretisieren (siehe Meldung).

Die beschlossene Neufassung der Sozialen Grundsätze tritt für den US-Teil der Kirche zum 1. Januar kommenden Jahres in Kraft. Die Kirchengebiete außerhalb der Vereinigten Staaten dürfen sie übersetzen. Sie gelten dort spätestens nach zwölf Monaten.

Weitere Beschlüsse in Kurzfassung
  • Neue Vorsitzende des Bischofsrats ist Tracy S. Malone. Die für die Jährliche Konferenz Ost-Ohio zuständige Bischöfin erhielt am 30. April von ihrem Vorgänger, Bischof Thomas J. Bickerton, den im Englischen »Gavel« genannten symbolischen Sitzungshammer überreicht. Sie ist die erste Schwarze als Präsidentin des Bischofsrats der EmK.
  • Die Evangelisch-methodistische Kirche wird ein sogenanntes »General Book of Discipline« erarbeiten. Das ist die künftig weltweit gültige und deutlich reduzierte »Verfassung, Lehre und Ordnung« der Kirche. Weil die Regionen voraussichtlich viele Regelungen selbst werden treffen können, wird es künftig eine im Umfang deutlich reduzierte, weltweit gültige Ordnung geben, die dann jeweils mit einer regionalen Fassung zu ergänzen sein wird.
  • Mit einer Mehrheit von 93 Prozent der Stimmen beschlossen die Delegierten, dass alle diskriminierenden und restriktiven Passagen, besonders im Hinblick auf sexualethische Themen, aus der bisher gültigen Ordnung der Kirche entfernt werden.
  • Das zum Kirchengebiet Nordeuropa und Eurasien gehörende Bischofsgebiet Eurasien (dazu gehören Gemeinden in Russland, Kasachstan, Kirgistan und Belarus) wird sich von der Evangelisch-methodistischen Kirche lösen und ab Mitte nächsten Jahres eine autonome methodistische Kirche bilden (siehe Meldung).
  • Bei der Generalkonferenz 2019 wurde eine Regelung eingeführt, die es Kirchengemeinden in den USA erlaubte, die Kirche mit ihrem Eigentum »aus Gewissensgründen« hinsichtlich sexualethischer Fragen zu verlassen. Dafür waren bestimmte formale Auflagen zu erfüllen. Rund 25 Prozent der Kirchengemeinden in den USA nutzten diese Regelung zum Verlassen der EmK. Die Gültigkeit dieser Regelung war Ende 2023 ausgelaufen und sollte gemäß einer von konservativen Lobbygruppen eingereichten Petition verlängert und sogar noch ausgeweitet werden. Der Antrag wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.
  • Mit großer Mehrheit wurde dagegen eine freundschaftliche und versöhnungsbereite Regelung verabschiedet, die es ausgetretenen Kirchengemeinden ermöglicht, sich der Evangelisch-methodistischen Kirche wieder anzuschließen. Diese Regelung gilt nur für den US-Teil der Kirche. Die Kirchenparlamente außerhalb der Vereinigten Staaten wurden aufgefordert, gegebenenfalls eigene Regelungen für solche Kirchengemeinden auszuarbeiten. Damit setzte die Generalkonferenz ein Zeichen zur friedlichen Beilegung des Streits. Die Tür zur Rückkehr soll offenbleiben, ohne nachtragend zu sein.

 

Weiterführende Links

Meldungsübersicht zur Generalkonferenz auf emk.de
You-Tube-Kanal der EmK: www.youtube.com/@emkde

Wenn es mehr Fragen als Antworten gibt

Mi., 05/08/2024 - 08:31

Aus der Friedenskirche wird am kommenden Sonntag, dem 12. Mai, der ZDF-Fernsehgottesdienst übertragen. Die Mainz-Kostheim gelegene Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) stellt den Gottesdienst unter das Thema »In seiner Spur«.

Wenige Tage nach Himmelfahrtsfest nimmt der Gottesdienst die Situation auf, an der sich die Jüngerinnen und Jünger Jesu vorfanden, als ihr Meister nicht mehr unter ihnen war. In der Beschreibung zum Gottesdienst heißt es dazu: »Es ist eine Situation, in der es mehr Fragen als Antworten gibt.« Das Team um Stefanie Schmid, die für die Gemeinde in Mainz zuständige Pastorin, denkt diese Situation im Gottesdienst weiter und findet in ihr aktuellen Bezüge und ermutigende Aspekte. Für die Musik sorgt eine Band der Gemeinde.

Aufbruchstimmung statt Spaltung

Sa., 05/04/2024 - 12:15

Die pandemiebedingt vom Jahr 2020 ins Jahr 2024 verschobene Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) ist Geschichte. Am gestrigen Freitag, 3. Mai, fand der letzte Sitzungstag des höchsten Kirchenparlaments der EmK statt, an dem vor allem der kirchliche Haushalt im Mittelpunkt stand.

Neues wächst auf

Nach dem Abschluss der Tagung wandte sich der Bischofsrat unter der Leitung der neuen Vorsitzenden, Bischöfin Tracy S. Malone, an die Öffentlichkeit. »Für die Evangelisch-methodistischen Kirche gibt es eine große Hoffnung für die Zukunft«, erklärt die neue Präsidentin zusammen mit ihrem Vorgänger, Bischof Thomas J. Bickerton.

Malone, die in den Vereinigten Staaten als Bischöfin für die Jährliche Konferenz Ost-Ohio zuständig ist, zitiert in der Botschaft einen Vers aus dem Prophetenbuch Jesaja (Kapitel 43, Vers 19): »Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr‘s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.« Gott halte trotz der Probleme einen Weg für die Kirche bereit. »Es ist ein Weg voller Freude und Hoffnung, ein Weg voller großer Erwartung, was die Kirche im Namen Jesu Christi, unseres Herrn, sein kann«, so Malone, die erst am Mittwoch dieser Woche die Präsidentschaft für den Bischofsrat übernahm.

Mit Bezug auf die wegweisenden Beschlüsse während der Generalkonferenz erklärte Malone: »Unsere Einheit in Christus und unsere Verbundenheit als Evangelisch-methodistische Kirche überwinden Geografie, Grenzen, Barrieren und Unterschiede.« Das gebe nach den vielen Auseinandersetzungen in den letzten Jahren »neue Hoffnung und einen neuen Fokus im Leben unserer Kirche«.

Dankbarer Rückblick – zuversichtlicher Aufbruch

Harald Rückert, der für den deutschen Teil der Evangelisch-methodistischen Kirche zuständige Bischof, sieht ebenfalls hoffnungsvolle Akzente in seinem Resümee zur Generalkonferenz. Völlig überrascht war er von der »komplett anderen Atmosphäre gegenüber früheren Generalkonferenzen«. Es sei eine »Aufbruchstimmung« zu spüren gewesen. Auch die Bereitschaft, aufeinander zu hören und miteinander die Zukunft der Kirche weltweit zu gestalten, sei während den Tagen der Generalkonferenz wahrnehmbar gewesen. Das habe sich in den Diskussionen und letztlich auch in den Entscheidungen gezeigt, die jeweils mit großer Mehrheit getroffen wurden.

Es seien Beschlüsse gefasst worden, dass die Evangelisch-methodistische Kirche weltweit tatsächlich zu einer gleichberechtigten Kirche werde. Die bisher so starke Fokussierung auf die Situation der Kirche in den USA wird aufgehoben. Damit würden die Regionen in Afrika, Europa und auf den Philippinen künftig gleichberechtigt sein. Dass dieser Schritt nach so vielen Jahren intensiver Arbeit »endlich« möglich wurde habe nicht nur ihn, sondern die ganze Delegation aus Deutschland und viele andere weltweit »mit Hoffnung erfüllt und motiviert weiterhin diese Kirche zu gestalten«.

Die beste je erlebte Generalkonferenz

Auch die sechs Delegierten aus Deutschland äußern sich ähnlich überrascht und zufrieden über die zu Ende gegangene Generalkonferenz. Anne Detjen, Pastorin in Hamburg, spricht von einer »neuen Ära der EmK«, die begonnen habe. Superintendent Werner Philipp aus Zwickau spricht davon, dass in den Konferenztagen »Vertrauen gewachsen« sei, das es bei den früheren Generalkonferenzen so nicht gegeben habe.

André Günther, Laiendelegierter für die Ostdeutsche Jährliche Konferenz, war erstaunt über die Offenheit vieler Delegierter aus Afrika und besonders derer aus Amerika für die sogenannte Regionalisierung. Für die Öffnung des Weges zur Regionalisierung der Kirche ist Kai Uwe Dannenberg auch dankbar. Allerdings sieht der Laiendelegierte der Norddeutschen Jährlichen Konferenz noch viel Entwicklungsbedarf. Das werde bei der nächsten Generalkonferenz mit Sicherheit noch einmal Thema werden.

Markus Jung, Superintendent für den Distrikt Nürnberg, sprach nach den Entscheidungen für die Öffnung der Kirche von einem großen »Tag des Freuens und Weinens und der Dankbarkeit«. Die Laiendelegierte für die Süddeutsche Jährliche Konferenz, Christine Flick, beschrieb diese Generalkonferenz als die »mit Abstand beste Generalkonferenz, die ich je erlebt habe«.

Eine gute Botschaft für die Gemeinden und Jährlichen Konferenzen weltweit

Die positiven Rückmeldungen zu dieser Generalkonferenz ziehen sich wie ein roter Faden durch fast alle Rückmeldungen, egal mit wem man während und am Schluss der Generalkonferenz sprach. Die Wörter »Aufbruch«, »Hoffnung«, »Zuversicht«, »neue Wege« und viele ähnlich lautende Äußerungen zeugen von Überraschung und Erleichterung. Gleichzeitig zeigt das auch, mit welcher Vorsicht und wohl auch mit Befürchtungen viele der Delegierten angereist waren. Die drohende und befürchtete große Spaltung ist jedenfalls ausgeblieben. Stattdessen erlebten die Delegierten eine neue Bereitschaft zur Einheit in der Verschiedenheit. Eine gute Botschaft für die Gemeinden und Jährlichen Konferenzen weltweit, die jetzt auf die Rückkehr ihrer Delegierten und deren Berichterstattung warten.

 

Weiterführende Links

Konferenz mit Aufbruchstimmung

Fr., 05/03/2024 - 13:44

Die Generalkonferenz, das höchste Kirchenparlament der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), geht ihrem Ende entgegen. Der gestrige Donnerstag, 2. Mai, war der vorletzte Sitzungstag. Viel Zeit benötigten Wahlen für die verschiedensten Gremien. Die weitere Beschlussarbeit an der Neufassung der Sozialen Grundsätze wurde dabei fast an den Rand gedrängt.

Hoffnung auf bessere Aufnahme in den Gemeinden

Der Auftrag zur Neufassung der Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche erfolgte bereits bei der Generalkonferenz im Jahr 2012. Aus den geplanten acht Jahren bis zur Vorlage bei der Generalkonferenz wurden pandemiebedingt zwölf Jahre. Die Hoffnung ist groß, dass die Neufassung eine breitere Aufnahme in den Gemeinden erfährt. So erklärte Sally Dyck, Bischöfin im Ruhestand und die Beauftragte für Ökumene des Bischofsrats, bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Neufassung gegenüber der Presse: »Die Menschen in den Gemeinden haben die Sozialen Grundsätze bisher nicht wirklich gelesen. Die Hoffnung ist, dass das jetzt anders wird.«

Die umfangreiche und detaillierte bisherige Fassung sei in dieser Hinsicht eine Schwäche gewesen. Mit dem erklärten Ziel, eines der grundlegenden Dokumente der Evangelisch-methodistischen Kirche »global relevanter, theologisch fundierter und prägnanter« zu machen, erhofft sich die Arbeitsgruppe, dass diese Neufassung viel Aufnahme in den Gemeinden erfährt.

Diskussion um die Ehe-Formulierung

Überraschend war, dass ähnlich wie bei den anderen »großen Themen« der Generalkonferenz eine kontroverse inhaltliche Auseinandersetzung ausblieb. Im Wesentlichen wurden alle Vorlagen ohne Änderungen angenommen. Am gestrigen Tag sorgte der Passus zur »Ehe« für eine lange Diskussion und eine auf Antrag beschlossene Änderung. Die zuvor nur vage Formulierung, dass die Ehe »von zwei gläubigen Personen« geschlossen werden könne, wurde geändert. Jetzt heißt dieser Passus: »Wir sehen die Ehe als einen heiligen, lebenslangen Bund an, der zwei gläubige Menschen (einen erwachsenen Mann und eine erwachsene Frau im heiratsfähigen Alter oder zwei erwachsene Personen im heiratsfähigen Alter) miteinander verbindet.«

Nach der Verabschiedung der gesamten Neufassung der Sozialen Grundsätze treten diese in den USA am 1. Januar kommenden Jahres in Kraft. Für die Zentralkonferenzen außerhalb der Vereinigten Staaten gilt der übliche Weg, dass erst mit der Tagung und Beschlussfassung durch die der Generalkonferenz folgende Zentralkonferenz die Neufassung der Sozialen Grundsätze in Kraft treten kann. Bis dahin sind auch die Übersetzungen in die verschiedenen Landessprachen nötig, was auch noch eine Herausforderung sein dürfte.

Diakone dürfen jetzt Sakramente verwalten

Ebenfalls beschlossen die Delegierten der Generalkonferenz, dass Diakone künftig am Ort ihrer Dienstzuweisung die Sakramente verwalten dürfen, ohne dafür die ausdrückliche Erlaubnis ihres Bischofs zu benötigen. Die sporadische Erlaubnis gab es auch bisher schon. Das Neue ist, dass den Diakonen die generelle Befugnis verliehen wird, in ihrem Amt die Sakramente zu verwalten. Damit können sie am Ort ihrer Dienstzuweisung das Abendmahl austeilen und Taufen durchführen.

Das mit einer Ordination versehene Diakonenamt ist im deutschen Raum der Kirche nicht so bekannt. In den USA und anderen Teilen der Weltkirche gibt es dieses Amt. Die Amtsträger zählen wie Pastoren und Pastorinnen als Geistliche. Ihr Dienst zählt mehr als Brücke zwischen Kirche und Welt, während der Schwerpunkt pastoraler Arbeit der Dienst für und in der Gemeinde.

Da es in Deutschland bereits erste Diakone in den Gemeinden gibt, wird dieser Beschluss in seiner Umsetzung auch für Deutschland eine Bedeutung haben. Mit dem zunehmenden Personalmangel könnte dieses Berufsfeld mit einer etwas anderen Ausrichtung des Dienstes künftig auch interessant für die Kirche sein, um sonst vakante Stellen besetzen zu können.

Eine besondere Atmosphäre

Zum Abschluss der jetzt nur noch einen Sitzungstag dauernden Generalkonferenz teilen die deutschen Delegierten in kurzen Videobeiträgen ihre Einschätzung der zu Ende gehenden Tagung mit. Den Auftakt machten die Hamburger Pastorin Anne Detjen und der für den Distrikt Nürnberg zuständige Superintendent Markus Jung. Beide bestätigen, dass die Diskussionen und die Atmosphäre besonders gegenüber der letzten außerordentlichen Generalkonferenztagung völlig anders gewesen sei. Jungs Resümee: »Die Konferenz war von einer Aufbruchstimmung getragen.«

 

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Neue Wege für die Kirche durch Aufhebung eines Verbots

Do., 05/02/2024 - 08:35

Wie bereits am Vortag kurz gemeldet, hat die Generalkonferenz, das höchste Kirchenparlament der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), das bisher geltende Verbot aufgehoben, Personen zu ordinieren, die sogenannte »bekennende praktizierende Homosexuelle« sind. Eine weitere Abstimmung beendete die außerordentliche Regelung, die vor allem in den Vereinigten Staaten dazu geführt hatte, dass Tausende Gemeinden die EmK verließen. Neu beschlossen wurde eine Regelung für Gemeinden, die wieder zur EmK zurückkehren wollen.

Ein großer Schritt: die Kirche öffnet sich durch die Streichung eines Artikels

Die jetzt beschlossene Streichung einer Formulierung in der Ordnung der Kirche wurde zusammen mit 21 anderen Regelungen mit 692 zu 51 Stimmen angenommen, also mit einer Zustimmung von 93 Prozent. Damit sind die bisherigen Aussagen in der zweiten Hälfte des Artikels 304.3 der »Verfassung, Lehre und Ordnung« gestrichen. Darin hieß es in der amerikanischen Fassung bisher, dass »praktizierte Homosexualität« mit der christlichen Lehre »unvereinbar« ist. Gestrichen wurde auch: »Bekennende praktizierende Homosexuelle können daher weder als Kandidaten für den pastoralen Dienst zugelassen, als Pastor oder Pastorin ordiniert werden noch eine Dienstzuweisung für den Dienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche erhalten.«

Nach der Streichung, die für den US-Teil der Kirche mit dem Ende der Generalkonferenz in Kraft tritt, gibt es in Bezug auf sexuelle Orientierung keine Einschränkungen mehr für die Ordination zum Pastor oder zur Pastorin der Evangelisch-methodistischen Kirche und keine Strafen mehr für die Durchführung von Segnungen anlässlich der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare. Der verabschiedete Beschluss bewahrt ausdrücklich das Recht von Pastoren und Pastorinnen sowie von Gemeinden, gleichgeschlechtliche Trauungen nicht zu leiten oder auszurichten.

Zentralkonferenzen können eigene Regelungen treffen

Für die Zentralkonferenzen außerhalb der Vereinigten Staaten tritt der Beschluss nach zwölf Monaten in Kraft oder nach der nächsten Tagung der jeweiligen Zentralkonferenz. Für die Zentralkonferenz Deutschland und die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa hat diese Entscheidung keine direkte Auswirkung. In deren Kirchenordnungen wurde der besagte Teil des Artikels 304 nicht übernommen.

Für die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa sowie für die Zentralkonferenz Nordeuropa mit dem Baltikum und der Ukraine sowie der Republik Moldau ist dieser Beschluss und die weiteren dazugehörigen Regelungen sehr bedeutsam. Dort können die Zentralkonferenzen nun für ihr jeweiliges Gebiet und sogar für die einzelnen Jährlichen Konferenzen Regelungen treffen, die den sehr unterschiedlichen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Situationen dieser Länder Rechnung tragen. Das bedeutet Gestaltungsmöglichkeiten für Trauungsliturgien und für die Ordination zum pastoralen Dienst. Für Zentralkonferenzen erlangt der jetzt gefasste Beschluss erst Gültigkeit, wenn sie im Rahmen ihrer nächsten Zentralkonferenztagung die jetzt bei der Generalkonferenz gefassten Beschlüsse in Kraft setzen.

Austrittsvereinbarung beendet, Rückkehrrecht beschlossen

Des Weiteren beschlossen die Generalkonferenzdelegierten, das von der außerordentlichen Generalkonferenz im Jahr 2019 eingeführte Recht zum Austritt von Gemeinden aus der Evangelisch-methodistischen Kirche unter Mitnahme des Kircheneigentums zu beenden. Davon hatten in den USA mehr als 7.600 Gemeinden Gebrauch gemacht. Der Beschluss zur Beendigung dieser Sonderregelung wurde mit einem Stimmenverhältnis von 516 zu 203 Stimmen gefasst.

In diesem Zusammenhang wurde auch ein neuer Beschluss zur Rückkehr von Gemeinden nach vorherigem Verlassen der EmK diskutiert. Mit einer Mehrheit von 629 zu 96 votierten die Delegierten dafür, dieses Rückkehrrecht und damit auch das Angebot zur Wiedervereinigung und zur Versöhnung einzuräumen.

 

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